Umgang mit Geburtsschmerzen: Vom Drama zur selbstwirksamen Geburt
Was du in diesem Artikel lernst
Geburtsschmerzen werden von vielen Frauen als das absolute Drama erlebt. Andere kommen mit Vertrauen, Klarheit und sogar Freude durch ihre Wehen. Der Unterschied liegt nicht in einer höheren Schmerztoleranz, sondern in der Vorbereitung und in dem, was du im Moment der Wehe selbst tun kannst.
In diesem Artikel teile ich meine eigene Geschichte aus zwei sehr unterschiedlichen Geburten. Du erfährst, wie die Angst-Anspannungs-Schmerz-Spirale entsteht, warum Geburtsschmerz neurologisch erstmal nur ein Reiz ist und wie du mit drei konkreten Schritten selbstwirksam in deine Geburt gehst.
- Wie ich aus meiner ersten Geburt traumatisiert herausgekommen bin und was ich danach geändert habe
- Warum Atemtechniken aus dem klassischen Geburtsvorbereitungskurs oft nicht ausreichen
- Was Birth and Balance ist und warum dieses Konzept für mich der Wendepunkt war
- Wie du Marionette deiner Geburt bleibst oder Regisseurin wirst
- Drei konkrete Tipps für deinen Umgang mit Geburtsschmerzen
Inhalt
Geburt als Theater: Das Bild, das alles verändert hat
Meine erste Geburt: Innerlich ein absolutes Drama
Warum dir niemand ehrlich sagt, wie sich Geburtsschmerzen anfühlen
Im Geburtssaal: Warum mir Atemtechniken nicht geholfen haben
Die Angst-Anspannungs-Schmerz-Spirale verstehen
Birth and Balance: Der Wendepunkt vor meiner zweiten Geburt
Geburtsschmerz ist kein Schmerz, sondern ein Reiz
Meine zweite Geburt: Vorbereitet und kraftvoll
Marionette oder Regisseurin: Deine Entscheidung
Selbstbestimmung oder Selbstwirksamkeit: Der entscheidende Unterschied
Geburt als Theater: Das Bild, das alles verändert hat
Mein Lieblingszitat stammt von William Shakespeare und lautet: „Das Leben ist ein Theater.“ Wenn ich es höre, denke ich an die Spannung im Theater, an Freude, an Geschichten, die berühren. Doch wenn ich dieses Bild auf die Geburt übertrage, denke ich zuallererst an Drama. Denn genau das war meine erste Geburt für mich, innerlich ein absolutes Drama.
Von außen betrachtet ist alles gut verlaufen. Medizinisch war nichts gefährlich. Unser Leben war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Und trotzdem habe ich diese Geburt als zutiefst traumatisierend erlebt, weil die Schmerzen für mich einfach unerträglich waren. Genau aus dieser Erfahrung heraus habe ich später die Frage gestellt: Bin ich in meiner Geburt eine Marionette, an deren Fäden andere ziehen? Oder bin ich die Regisseurin, die ihr Stück bewusst gestaltet?
Meine erste Geburt: Innerlich ein absolutes Drama
Nach meiner ersten Geburt habe ich gesagt: „Das war es. Ein Kind, niemals wieder werde ich das machen. Wenn wir noch ein Kind möchten, müssen wir adoptieren oder eine Leihmutter finden.“ So heftig war meine innere Verfassung danach. Ich bin leicht traumatisiert aus dieser Geburt herausgekommen, nicht weil etwas Gefährliches passiert ist, sondern weil sich die Schmerzen für mich so angefühlt haben.
Diese Reaktion habe ich von vielen Frauen gehört. Frauen, die nach ihrer Geburt sagen, dass sie das nicht noch einmal erleben möchten. Frauen, die innerlich verarbeiten müssen, was sie körperlich und emotional durchgemacht haben. Das ist kein Einzelfall. Das ist für sehr viele Erstgebärende die Regel und nicht die Ausnahme.
Warum dir niemand ehrlich sagt, wie sich Geburtsschmerzen anfühlen
Vor meiner ersten Geburt habe ich meine Hebamme gefragt, wie sich Wehen anfühlen werden. Sie hat geantwortet: „Wenn du Glück hast, ist es ein bisschen wie bei der Menstruation.“ Andere Frauen haben mir gesagt: „Ach, das vergisst du ganz schnell wieder.“
Diese Aussagen waren gut gemeint. Niemand wollte mir Angst machen. Alle wollten, dass ich offen und entspannt in die Geburt gehe und meine eigenen Erfahrungen mache. Doch im Nachhinein habe ich gedacht: Hätte mir doch nur jemand vorher ehrlich gesagt, wie es wirklich werden kann. Dieser Wunsch ist es, der mich antreibt, heute genau diesen Artikel zu schreiben. Du sollst die Wahrheit kennen. Und vor allem sollst du wissen, dass du selbst etwas tun kannst, damit es nicht so wird wie bei mir.
Im Geburtssaal: Warum mir Atemtechniken nicht geholfen haben
Schon bei der ersten Wehe habe ich gedacht: „Wow, das ist so krass. Das Kind muss ja gleich da sein.“ Es hat noch zwei Tage gedauert. Ich hatte ein paar Atemtechniken aus dem Geburtsvorbereitungskurs gelernt. Auf bestimmte Buchstaben ausatmen. Ganz ehrlich: Das hat mir überhaupt nichts gebracht. Ich war mit meinen Wehen, und ich wusste einfach nicht, was ich tun sollte.
Dann kamen die üblichen Empfehlungen. Setz dich auf einen Petziball. Lass das Becken kreisen. Bewege dich, geh spazieren. Und der beste Tipp von allen: Entspann dich. Entspannung ist tatsächlich wichtig für die Geburt. Doch wenn du nicht gelernt hast, wie du auf Knopfdruck entspannst, dann kannst du das in einer Wehe nicht einfach so abrufen. Zumindest ich konnte das nicht.
Ich habe nach jedem Strohhalm gegriffen. Ich habe versucht, mich abzulenken. Ich habe meine Hebamme angefleht, irgendetwas zu tun. Sie hat sehr viel getan, doch wenn im Kopf das innere Drama herrscht, hilft Hilfe von außen nicht mehr. Ich bin nicht in die Entspannung gekommen. Ich hatte das Gefühl, nichts tun zu können, außer mich auf das Außen zu verlassen und zu hoffen, dass es irgendwie besser wird. Es ist nicht besser geworden. Es ist in jeder Runde schlimmer geworden.
Die Angst-Anspannungs-Schmerz-Spirale verstehen
Mit dem Wissen, das ich heute habe, verstehe ich genau, was damals in meinem Körper passiert ist. Ich war gefangen in der Angst-Anspannungs-Schmerz-Spirale. Auch bekannt unter dem Begriff Fear-Tension-Pain-Cycle. Dieses Modell beschreibt einen sich selbst verstärkenden Kreislauf:
- Angst entsteht, weil du nicht weißt, was passiert, oder weil du Angst vor dem hast, was kommt
- Angst führt automatisch zu Anspannung in deinem Körper
- Diese Anspannung verstärkt den Schmerz, weil dein Körper nicht durchlässig arbeiten kann
- Mehr Schmerz erzeugt mehr Angst
- Und so geht es weiter, mit jeder Wehe heftiger
Diese Spirale ist nicht deine Schwäche. Sie ist ein neurologischer Mechanismus. Und sie lässt sich auflösen, wenn du verstehst, wie sie funktioniert und welche Werkzeuge dir die andere Richtung öffnen.
Birth and Balance: Der Wendepunkt vor meiner zweiten Geburt
Lange bevor ich zum zweiten Mal schwanger geworden bin, habe ich mich gefragt: Wie kann eine Geburt noch sein? Erleben wirklich alle Frauen sie als so schrecklich? Ich habe recherchiert. Ich habe gesucht. Und ich bin auf Birth and Balance gestoßen.
Birth and Balance ist ein Konzept, das auf dem Hypnobirthing aufbaut und von Steffi Reimer entwickelt wurde, einer Diplom-Psychologin. Für mich war es perfekt. Denn dieses Konzept liefert nicht nur Atemtechniken und Entspannungstechniken. Es liefert auch Mindset-Arbeit. Und es liefert Strategien für den Fall, dass trotz aller anderen Techniken noch Schmerzen auftreten. Diese Strategien stammen aus der professionellen Schmerztherapie.
Vier Bausteine, die zusammenarbeiten:
- Atemtechniken, die wirklich tragen
- Entspannungstechniken, die du auch in der Wehe abrufen kannst
- Mindset-Arbeit, die altes Geburts-Programm in deinem Unterbewusstsein auflöst
- Schmerz-Strategien aus der Schmerztherapie, mit denen du den Reiz aktiv beeinflusst
Geburtsschmerz ist kein Schmerz, sondern ein Reiz
Hier wird es spannend. Was du als Schmerz wahrnimmst, ist erstmal kein Schmerz. Es ist ein Reiz. Ein neutrales Signal, das dein Körper an dein Gehirn schickt. Erst dein Gehirn entscheidet, wie es diesen Reiz bewertet.
Wenn du Angst hast, wenn du keine Ahnung hast, was gerade passiert, wenn du dich ausgeliefert fühlst, dann bewertet dein Gehirn diesen Reiz als Bedrohung. Genau dann wird daraus echter, intensiver, schwer aushaltbarer Schmerz. Dieses Gefühl von Hilflosigkeit, von Ausgeliefertsein, von purer Verzweiflung kommt nicht aus der Wehe selbst. Es kommt aus der Bewertung.
Wenn du weißt, was in deinem Körper passiert, wenn du Techniken hast, mit denen du den Reiz aktiv beeinflussen kannst, wenn du dich sicher fühlst, dann bewertet dein Gehirn den Reiz anders. Intensiv, aber okay. Spürbar, aber kein Drama mehr.
Meine zweite Geburt: Vorbereitet und kraftvoll
Als ich zum zweiten Mal schwanger geworden bin, habe ich Birth and Balance konsequent angewendet. Ich war zuversichtlich und optimistisch. Ich habe meine Ängste aufgelöst. Ich habe mein Geburts-Mindset, also mein Unterbewusstsein, mit den Techniken neu programmiert, um mich auf die Geburt wirklich zu freuen. Trotzdem ist da bis zum Schluss eine kleine Unsicherheit geblieben, ob das im Ernstfall wirklich funktionieren würde.
Es hat funktioniert. Und ich war selbst überrascht, wie gut. Als ich vor der Geburt die Treppe heruntergegangen bin und noch einmal die Tasche geschnappt habe, ist eine starke Wehe gekommen. Da habe ich kurz gespürt, wie intensiv das war. Doch im selben Moment habe ich mich im Stehen abgestützt, mich in Hypnose versetzt und alle Techniken abgerufen. Und dann war es absolut machbar.
Es hat tatsächlich Spaß gemacht, mit diesen Wehen umzugehen. Ich habe nicht mehr nur gelegen und gehofft, dass mich jemand von außen erlöst. Ich habe etwas getan. Und die Reize habe ich gar nicht mehr als Schmerzen wahrgenommen, sondern als ein mega intensives Körpergefühl.
Marionette oder Regisseurin: Deine Entscheidung
Genau hier kommt das Bild aus Shakespeares Zitat wieder ins Spiel. Wenn du Geburt als Theater siehst, hast du zwei Rollen zur Auswahl.
Als Marionette bist du davon abhängig, was die Fäden um dich herum mit dir machen. Du verlässt dich auf die Hebamme, auf den Arzt, auf deinen Partner. Du hoffst, dass dich jemand da durchbringt. Du erträgst.
Als Regisseurin nimmst du deine Geburt aktiv in die Hand. Du weißt, was du in welcher Phase tun kannst. Du hast Werkzeuge an der Hand. Du gestaltest aktiv mit und vertraust, weil du dich vorbereitet hast. Das bedeutet nicht, dass alles nach Plan laufen muss. Es bedeutet, dass du nicht ausgeliefert bist.
Selbstbestimmung oder Selbstwirksamkeit: Der entscheidende Unterschied
Im Rahmen der mentalen Geburtsvorbereitung wird häufig von einer selbstbestimmten Geburt gesprochen. Das ist ein wichtiger Begriff. Doch ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich finde Selbstwirksamkeit treffender.
Selbstbestimmung ist gut, wenn du selbst entscheiden kannst. Wenn du aber keine Techniken in der Hand hast, mit denen du wirksam werden kannst, dann nützt dir die Selbstbestimmung allein wenig. Selbstwirksamkeit heißt: Du kannst tatsächlich etwas tun. Du hast echte Hebel. Genau das nimmt dir die Hilflosigkeit und genau das macht den Unterschied zwischen ertragen und erleben.

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Drei Tipps für deinen Umgang mit Geburtsschmerzen
Ich habe drei Tipps für dich mitgebracht, mit denen du deinen Umgang mit Geburtsschmerzen aktiv beeinflussen kannst.
Tipp 1: Räum dein Geburts-Mindset auf
Bei den meisten Frauen ist das Geburts-Mindset im Unterbewusstsein negativ programmiert. Filme, Erzählungen anderer Frauen, gesellschaftliche Bilder von der Geburt als etwas Schmerzhaftem und Bedrohlichem haben sich dort festgesetzt. Genau dieses Mindset holt dich unter der Geburt ein. Lös es bewusst auf. Ersetze es durch Vertrauen, durch positive Glaubenssätze und durch ein klares inneres Bild davon, wie deine Geburt sein darf.
Tipp 2: Lerne Entspannungstechniken, am besten Hypnose
Mein klarer Vorzug gilt der Hypnose. Sie wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Hypnose ist nicht das, was du aus dem Fernsehen kennst. Sie ist ein Zustand tiefer Entspannung, in dem dein Körper genau das tun kann, was er biologisch tun will. Hypnobirthing-Techniken sind seriöse Werkzeuge, die professionell entwickelt wurden.
Tipp 3: Lerne Techniken zum aktiven Umgang mit Schmerz
Atmen allein reicht nicht. Du brauchst Techniken, die dir helfen, den Reiz im Moment der Wehe aktiv umzudeuten. Imagination, Anker, Körperarbeit. Genau diese Techniken lernst du in meinem Angebot „Umgang mit Geburtsschmerzen“. Sie stammen aus der professionellen Schmerztherapie und wurden von Steffi Reimer für die Geburt adaptiert.
Und wenn du dazu bereit bist, regelmäßig zu üben, am besten täglich, mindestens aber mehrmals die Woche, dann gehst du mit einem komplett anderen Werkzeug-Set in deine Geburt als die meisten Frauen.
Fazit: Deine Geburt darf anders sein
Geburtsschmerzen müssen kein Drama sein. Das ist kein „Denk-positiv“-Versprechen, sondern eine Aussage, die auf Neurologie, Psychologie und gezielter Vorbereitung beruht. Wenn du verstehst, dass Geburtsschmerz erstmal ein neutraler Reiz ist und dass deine Bewertung im Gehirn aus diesem Reiz erst Schmerz macht, hast du den ersten entscheidenden Hebel in der Hand.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Artikel:
- Die Angst-Anspannungs-Schmerz-Spirale ist der eigentliche Feind, nicht die Wehe selbst
- Selbstwirksamkeit ist mehr als Selbstbestimmung und genau das nimmt dir die Hilflosigkeit
- Mit Mindset-Arbeit, Entspannungstechniken und Schmerz-Strategien aus der Schmerztherapie kannst du deinen Umgang mit Geburtsschmerzen grundlegend verändern
Lass dich nicht davon abbringen, egal was dir andere Frauen über Geburt erzählen. Du kannst deine Geburt anders erleben, wenn du dich entscheidest, Regisseurin zu sein und dir die passenden Werkzeuge an die Hand zu geben.
FAQ rund um Geburtsschmerzen
Sind Hypnose-Techniken bei der Geburt seriös?
Hypnose im Geburtskontext hat nichts mit Bühnen-Hypnose zu tun. Es geht um einen Zustand tiefer Entspannung, in dem dein Nervensystem aus dem Stress-Modus in den Ruhe-Modus wechselt. Birth and Balance wurde von einer Diplom-Psychologin entwickelt, und die zugrunde liegenden Techniken stammen aus der professionellen Schmerztherapie.
Wie viel Zeit braucht die mentale Geburtsvorbereitung wirklich?
Idealerweise übst du täglich. Mindestens aber mehrmals die Woche. Der Effekt baut sich über die Schwangerschaft auf und du gehst mit einer trainierten Fähigkeit in die Geburt statt mit theoretischem Wissen, das du im Ernstfall nicht abrufen kannst.
Was, wenn meine Geburt anders verläuft als geplant?
Vorbereitung bedeutet nicht, dass alles nach Plan laufen muss. Sie bedeutet, dass du Werkzeuge in der Hand hast, wenn etwas Unerwartetes passiert. Genau dann zahlt sich die Investition aus, weil du nicht in die Hilflosigkeit fällst, sondern handlungsfähig bleibst.
Hilft die Vorbereitung auch beim Kaiserschnitt oder bei Komplikationen?
Ja. Die mentale Vorbereitung wirkt unabhängig vom Geburtsmodus. Sie hilft dir, in jeder Situation ruhig zu bleiben, deinen Atem zu finden und in Verbindung mit deinem Körper und deinem Baby zu bleiben. Das macht auch in unerwarteten Geburtsverläufen einen großen Unterschied.
Kann ich diese Techniken auch ohne Kurs lernen?
Du kannst dich grundlegend mit Hypnobirthing-Büchern und Audios beschäftigen. Doch die konkreten Schmerz-Strategien und das systematische Training brauchst du, um sie unter der Geburt wirklich abrufen zu können. Genau dafür gibt es strukturierte Angebote wie meinen Kurs „Umgang mit Geburtsschmerzen“.


