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Erziehen ohne Schimpfen: Warum es uns geschadet hat und was wirklich hilft

Was du in diesem Artikel lernst

Es hat dir ja auch nicht geschadet. Diesen Satz höre ich von meiner Mama. Ich höre ihn von Freundinnen über ihre Mütter. Ich höre ihn überall dort, wo ich versuche, Dinge mit meinen Kindern anders zu machen, als sie an mir gemacht wurden. Und ich glaube, wir dürfen ehrlich werden: Es hat uns sehr wohl geschadet.

In dieser Folge geht es darum, was Schimpfen wirklich mit unseren Kindern macht, warum sie uns trotzdem weiter lieben, warum sie aber aufhören, sich selbst zu lieben, und welche Wege es gibt, in friedvolle, verbindungsstarke Erziehung einzusteigen, ohne dass du dich dabei aufgibst oder grenzenlos wirst.

  • Warum Kinder nach dem Schimpfen aufhören, sich selbst zu lieben
  • Warum kurzfristiges Funktionieren nicht das Ziel sein darf
  • Wo Schimpfen anfängt und warum ein strenger Blick schon dazugehört
  • Warum Druck immer zu Gegendruck führt
  • Wie Verbindung statt Schimpfen den Alltag tatsächlich beschleunigt

Inhalt

Es hat uns sehr wohl geschadet

Was Schimpfen mit unseren Kindern wirklich macht

Warum Schimpfen das Ziel verfehlt

Druck führt zu Gegendruck

Hinter das Verhalten schauen

Wie Verbindung den Alltag schneller macht

Fazit

FAQ

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Es hat dir ja auch nicht geschadet

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Es hat uns sehr wohl geschadet

Wenn ich mir unsere Gesellschaft anschaue, mit den vielen Problemen, die da kursieren, die vielen Menschen, die mit sich selbst nicht klarkommen, die immer leisten müssen, um sich gut zu fühlen, die immer der eigenen Stimme nicht trauen, dann würde ich sagen: Es hat uns ganz schön etwas geschadet. Wir tragen den Satz weiter, weil wir an unseren Eltern nichts Schlechtes lassen wollen. Aber Erkenntnis ist keine Schuldzuweisung. Sie ist die Voraussetzung, etwas anders zu machen.

Ich kann nur für mich sprechen und für die vielen Followerinnen, mit denen ich darüber spreche. Schlechte Glaubenssätze über mich. Das Gefühl, ich sei nichts wert. Der Druck, immer leisten zu müssen. Belohnungssysteme, die sich nach Liebe angefühlt haben, und Bestrafungssysteme, die sich nach Drama angefühlt haben. Vom Töpfchen-Sticker bis zum Zeugnis-Geld. Das wirkt bis in unsere Mutterschaft nach. Und jetzt haben wir die Chance, unseren Kindern etwas anderes mitzugeben.

Was Schimpfen mit unseren Kindern wirklich macht

Viele Eltern haben Angst, ihre Kinder hätten sie nicht mehr lieb, wenn sie schimpfen. Das ist eigentlich der falsche Trost. Denn die Kinder hören nicht auf, dich zu lieben. Sie können das gar nicht. Sie spüren tief, dass sie absolut abhängig von dir sind. In ihrem Innersten vergöttern sie dich. Was du tust, ist für sie das Richtige.

Wenn du sie ausschimpfst, beschämst, klein redest, bestrafst oder belohnst, dann hören sie nicht auf, dich zu lieben. Sie hören auf, sich selbst zu lieben. Sie denken, du handelst richtig, also liegt der Fehler bei ihnen. Und genau das ist der Glaubenssatz, der so viele Erwachsene in unserer Generation belastet. Nicht zu lieben, was wir an uns selbst sind. Sich falsch zu fühlen. Sich immer beweisen zu müssen.

Das ist nicht das, was wir unseren Kindern mitgeben wollen. Sie haben ein Recht auf gewaltfreies Aufwachsen. Und Schimpfen ist Gewalt. Ein strenger Blick gehört dazu. Ein scharfer Ton gehört dazu. Wenn du anfängst zu schauen, wo Schimpfen wirklich beginnt, dann merkst du oft, dass es viel früher anfängt, als du dachtest.

Mama kniet auf Augenhöhe mit Kind als Symbol für gleichwürdige Verbindung statt Schimpfen

Warum Schimpfen das Ziel verfehlt

Wenn du schimpfst, ist es meistens eine spontane Reaktion. Du bist gestresst, du willst, dass dein Kind funktioniert, dass dieses Verhalten jetzt aufhört. Und in vielen Fällen hört das Verhalten kurzfristig auch auf. Die Kleinen vor allem hören schnell auf. Du denkst: Vielleicht war das jetzt einfach nötig. Aber nein. Es ist nicht nötig, und das Aufhören ist trügerisch.

Dein Kind hört nicht aus Einsicht auf. Es hört nicht aus Respekt auf. Es hört aus Angst auf. Es will dir gefallen, weil du sein sicherer Hafen bist. Es will den Sturm in dir wieder beruhigen. Und dann macht es das Verhalten beim nächsten Mal trotzdem wieder, weil es nicht verstanden hat, warum es nicht erwünscht ist. Es hat nur gelernt: Wenn Mama brüllt, höre ich kurz auf.

Das Wort Regeln mag ich übrigens nicht so gerne. Ich spreche lieber von Familienwerten oder Leitlinien. Werte werden nicht gebrochen, sie werden gelebt. Wenn unsere Kinder unsere Werte mitbekommen, weil wir sie spüren lassen und vorleben, dann tragen sie diese in sich, ohne dass wir sie immer wieder durchsetzen müssen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Druck führt zu Gegendruck

Mit meinem ersten Hund war ich bei einer wundervollen Hundetrainerin. Leinendruck, hat sie gesagt, führt zu Gegendruck. Wenn du den Hund ziehst, zieht er zurück. Wenn du Druck aufbaust, baut das Gegenüber auch Druck auf. Das ist bei Kindern genauso. Wenn ich mein Kind mit Schimpfen in Schach halte, dann steigt die Spannung. Bei mir und bei meinem Kind. Es muss von Mal zu Mal lauter werden, schärfer, drastischer, damit der Effekt erhalten bleibt.

Das ist nicht nur unangenehm. Es ist eine Spirale. Die Mama-Wut wächst, die Kinder-Wut wächst, der Stress in der ganzen Familie wächst. Und gleichzeitig wächst beim Kind das Gefühl, falsch zu sein. Eine Doppelbelastung, die im Erwachsenwerden dann oft zu Selbstwertproblemen führt, wie sie viele aus unserer Generation in sich tragen.

Erziehen ohne Schimpfen heißt nicht, dass du keine Grenzen hast. Es heißt nicht, dass dein Kind alles bekommt und du immer über deine eigenen Bedürfnisse gehst. Es heißt: Du achtest auf dich, du achtest auf dein Kind, und im Konflikt suchst du nach Verbindung, statt nach Durchsetzung mit Lautstärke.

Geschwister teilen Spielzeug friedlich als Symbol für friedvolle Konfliktlösung

Hinter das Verhalten schauen

Der Schlüssel, den ich dir mitgeben möchte, ist dieser: Schau hinter das Verhalten. Hinter das deines Kindes und hinter dein eigenes. Was macht mein Kind da gerade? Warum tut es das? Was braucht es? Und gleichzeitig: Warum triggert mich das gerade so? Was passiert in mir? Welche meiner alten Wunden wird hier berührt?

Wenn dein Kind auf dem Sofa hüpft, obwohl du es nicht möchtest, dann steckt dahinter oft Bewegungsdrang, oft Aufmerksamkeitsbedürfnis, manchmal nur Spaß am Hüpfen. Wenn du verstehst, was wirklich los ist, dann findest du Wege, das Bedürfnis anders zu erfüllen. Vielleicht braucht es zehn Minuten Tobzeit. Vielleicht braucht es deine Aufmerksamkeit. Vielleicht ist es ein Zeichen, dass es heute zu wenig draußen war.

Bei uns zu Hause hat das beim Geschwisterstreit besonders viel verändert. Wenn Lilli ihr Spielzeug von Leo zurück will, dann sage ich nicht mehr: Leo, gib das doch zurück. Ich sage ihr: Atme einmal tief durch. Sag ihm ruhig, dass du es gerne wiederhaben möchtest. Gib ihm Zeit. Und in den allermeisten Fällen gibt Leo es ihr nach 20 oder 30 Sekunden ganz von alleine zurück. Beide lernen dabei etwas Wertvolles. Lilli lernt, ihre Bedürfnisse ruhig zu äußern. Leo lernt, dass er aktiv etwas zurückgeben darf, ohne dass ihm etwas weggenommen wird.

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Wie Verbindung den Alltag schneller macht

Viele Eltern denken: Verbindung ist schön, aber im Alltag habe ich dafür keine Zeit. Schimpfen funktioniert schneller. Das stimmt kurzfristig. Langfristig ist es das Gegenteil. Wenn du morgens immer wieder darüber schimpfst, dass die Schuhe nicht angezogen werden, dass das Zähneputzen nicht passiert, dass es nicht losgehen will, dann wiederholt sich das Drama jeden Morgen. Es geht nicht schneller, es geht zermürbender.

Wenn du dagegen einmal stehenbleibst und schaust, was dein Kind gerade braucht, dann verändert sich der Morgen oft schon nach wenigen Tagen. Vielleicht braucht es einen Moment der Verbindung, einmal kurz Kuscheln, eine Sache, an der es teilhaben darf, eine eigene kleine Aufgabe. Manche Kinder brauchen Vorhersagbarkeit, andere brauchen Mitsprache, wieder andere brauchen Bewegung am Morgen. Wenn du das siehst, dann läuft der Morgen leichter, ruhiger und tatsächlich schneller.

Das ist auch das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können. Nicht das nächste Spielzeug, nicht die nächste Federwiege, nicht die nächste App. Sondern Zeit, Achtsamkeit, Empathie. Aus tiefem Herzen kennenzulernen, wer dein Kind wirklich ist. Und es nicht zu dem zu machen, was wir uns wünschen, dass es ist. Genau das verändert die Familienatmosphäre.

Fazit: Du darfst es anders machen, ohne deine Eltern zu verurteilen

Erziehen ohne Schimpfen ist kein Idealbild für die Instagram-Bubble. Es ist eine konkrete Praxis, die unser Familienleben tiefer, ruhiger und verbindungsstärker macht. Sie braucht Geduld, sie braucht Reflexion, und sie braucht die Bereitschaft, deine eigene Wut anzuschauen und zu verstehen, statt sie an deinen Kindern abzulassen.

Die wichtigsten Punkte aus dieser Folge:

  • Es hat uns sehr wohl geschadet. Erkenntnis ist keine Schuldzuweisung an unsere Eltern
  • Schimpfen führt nicht dazu, dass Kinder uns weniger lieben, sondern dass sie sich selbst weniger lieben
  • Schimpfen erreicht das Ziel nicht. Kinder hören aus Angst auf, nicht aus Einsicht
  • Druck führt zu Gegendruck, sowohl auf der Wut-Seite als auch im Selbstwert
  • Verbindung statt Druck macht den Alltag tatsächlich schneller
  • Hinter das Verhalten schauen ist der Schlüssel zu friedvoller Erziehung

Du wirst nicht perfekt sein. Niemand ist es. Es wird immer wieder Momente geben, in denen du schimpfst. Wichtig ist, dass du danach in Verbindung gehst, dich entschuldigst, und gemeinsam mit deinem Kind reparierst, was passiert ist. So lernen sie auch, dass Beziehungen nicht zerbrechen, wenn Konflikte da sind, sondern dass sie wachsen können.

FAQ zum Erziehen ohne Schimpfen

Heißt schimpffrei, dass mein Kind keine Grenzen hat?

Nein. Schimpffrei bedeutet, dass du Grenzen klar und ruhig vermittelst, ohne dein Kind zu beschämen, klein zu reden oder einzuschüchtern. Du darfst Grenzen haben, du darfst Nein sagen, und du darfst deine eigenen Bedürfnisse äußern.

Was ist mit der Unerzogen-Bewegung?

Da gibt es unterschiedliche Auslegungen. Mein Verständnis von bedürfnisorientierter, schimpffreier Erziehung ist nicht, dass wir gar nichts mehr tun, sondern dass wir achtsam mit uns und unseren Kindern umgehen, Verbindung halten und Konflikte über echte Begegnung lösen, statt über Druck.

Was zählt eigentlich alles als Schimpfen?

Mehr als viele denken. Ein scharfer Ton zählt dazu. Ein strenger Blick zählt dazu. Klein reden, beschämen, bloßstellen, Drohungen, auch Belohnungssysteme, die mit Wegnahme gekoppelt sind. Wenn du dir nicht sicher bist, frag dich: Würde sich ein erwachsener Freund von mir so reden lassen?

Warum sind Belohnungen problematisch?

Belohnungen sind die Kehrseite von Bestrafungen. Bleibt die Belohnung aus, weil das Kind das gewünschte Verhalten nicht zeigt, fühlt sich das wie eine Strafe an. Außerdem verlagert sich die Motivation des Kindes nach außen. Es tut etwas, um zu bekommen, und nicht, weil es das wirklich tun möchte oder weil es sich für die Gemeinschaft entscheidet.

Und wenn ich es immer wieder nicht schaffe, ruhig zu bleiben?

Das ist menschlich. Du bist auch ein Mensch und du wirst auch schimpfen. Wichtig ist, was danach passiert. Geh in Verbindung mit deinem Kind, entschuldige dich, erklär ihm in Ruhe, dass dein Verhalten nicht okay war. Schau dir an, was vor dem Schimpfen passiert ist. Oft gibt es einen Auslöser in dir, der mit Erschöpfung, Hunger, eigenem Druck zu tun hat. Da darfst du ansetzen.

Kann mein Kind respektvoll bleiben, ohne dass ich strenger werde?

Ja. Echter Respekt wächst aus Beziehung, nicht aus Angst. Wenn dein Kind sich gesehen, gehört und verstanden fühlt, dann gibt es dir ein Mehrfaches an Kooperation zurück. Das braucht zu Beginn etwas Geduld, dann kippt es.

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