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Zufüttern ja oder nein: Wann dein Baby wirklich mehr braucht und wann nicht

Was du in diesem Artikel lernst

Kaum ist dein Baby da, geht es auch schon los mit dem Wiegen. Hat es genug abgenommen, hat es zu viel abgenommen, nimmt es schnell genug wieder zu. Und ganz oft steht dann dieser eine Satz im Raum: Wir sollten zufüttern. Ich kenne dieses Gefühl, wenn dir jemand mit ernster Miene sagt, dein Kind bekommt vielleicht nicht genug. Das macht etwas mit dir. Du zweifelst an deinem Körper, an deiner Milch, an dir.

In dieser Folge habe ich mit meiner Hebammen-Kollegin Jette über genau dieses Thema gesprochen. Über die Mythen rund um das Babygewicht, über die berühmte 10-Prozent-Grenze, über die Frage, wann Zufüttern wirklich sinnvoll ist und wann es einfach nur Druck erzeugt, der dem Stillen schadet. Du bekommst hier eine ehrliche Einordnung, damit du beim nächsten Wiegen ruhiger atmen und gute Entscheidungen für dein Baby treffen kannst.

  • Warum beim Babygewicht so viel unnötiger Druck gemacht wird
  • Wieso gesunde Neugeborene in der ersten Woche fast nie zufüttern müssen
  • Was die 10-Prozent-Grenze bedeutet und warum du trotzdem entscheidest
  • Woran du erkennst, ob dein Baby wirklich genug bekommt
  • Wann Zufüttern sinnvoll ist und wie es geht, ohne das Stillen zu gefährden

Inhalt

Warum beim Babygewicht so viel Druck gemacht wird

Die ersten Tage: Warum Gewichtsabnahme normal ist

Die 10-Prozent-Grenze und was sie wirklich bedeutet

Woran du erkennst, ob dein Baby genug bekommt

Wenn das Stillen nicht in Gang kommt

Wie es weitergeht: Gewichtskurve, Schnuller und Beikost

Fazit

FAQ

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Zufüttern ja oder nein

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Warum beim Babygewicht so viel Druck gemacht wird

Sobald dein Baby auf der Welt ist, wird gemessen und gewogen. Und genau da fängt für viele Mamas der Stress an. Hat es zu viel abgenommen, nimmt es zu langsam wieder zu, reicht die Milch. Ich erlebe es in meinen Geburtsvorbereitungskursen immer wieder, dass rund um das Gewicht von Babys unglaublich viele Mythen kursieren. Und leider ist das Personal im Krankenhaus bei diesem Thema oft nicht gut geschult. Die Folge: Es wird sehr häufig viel zu früh zugefüttert.

Das Problem dabei ist, dass frühes Zufüttern das ganze fein abgestimmte System aus Mama, Brust und Babyhunger durcheinanderbringen kann. Dein Körper bildet so viel Milch, wie dein Baby abruft. Bekommt dein Baby zusätzlich die Flasche, trinkt es weniger an der Brust, deine Brust bekommt das Signal, weniger Milch zu bilden, und schon dreht sich eine Spirale, die du eigentlich gar nicht wolltest.

Deshalb möchte ich dir mit dieser Folge vor allem eins mitgeben: Atme erst einmal durch. Die allermeisten Sorgen rund um das Babygewicht lösen sich auf, wenn du verstehst, was in den ersten Tagen wirklich passiert. Jette bringt dafür ihren ganzen Hebammen-Erfahrungsschatz mit, ich meine Sicht als Stillberaterin und Mama von zwei Kindern.

Die ersten Tage: Warum Gewichtsabnahme normal ist

Dass dein Baby nach der Geburt erst einmal abnimmt, ist völlig normal. Es kommt mit einem Vorrat zur Welt und braucht ein paar Tage, bis Trinken und Verdauung richtig in Gang kommen. Spannend wird es bei der Frage, wie viel Abnahme okay ist. Da spielt zum Beispiel die Waage eine größere Rolle, als die meisten denken.

Jette hat es in der Klinik schon erlebt, dass ein Kind direkt nach der Geburt auf der Kreissaalwaage gewogen wurde und kurz darauf auf der Waage der Wochenbettstation. Allein zwischen diesen beiden Waagen lagen 60 Gramm Unterschied. Bei so einem kleinen Gewicht macht das richtig viel aus. Wenn also die Frage im Raum steht, ob dein Kind zu viel abgenommen hat, lohnt es sich zu fragen, ob es noch einmal auf genau der Waage gewogen werden kann, auf der es direkt nach der Geburt lag.

Ein zweiter wichtiger Punkt sind Infusionen unter der Geburt. Hat eine Frau mindestens einen Liter Infusionslösung bekommen, gehen Fachleute davon aus, dass das Kind allein dadurch oft die berühmten 10 Prozent abnimmt. Das ist aber kein echtes Gewicht, das verloren geht, sondern vor allem Wasser. Diese Babys pullern in den ersten Tagen auffällig viel, weil dieses zusätzliche Wasservolumen über die Nieren wieder ausgeschieden wird.

Und dann ist da noch das Kolostrum, diese erste, goldene Milch. Sie wird schon ab der 15. Schwangerschaftswoche gebildet und ist nach der Geburt längst da. Wenn mir Mamas schreiben, ihre Milch habe am ersten Tag nicht gereicht, frage ich mich immer, woran sie das so schnell festmachen. Die Antwort ist fast immer dieselbe: Das Kind hat viel geweint. Doch Weinen hat so viele andere Gründe als Hunger. Echter Milchmangel in den ersten zwei, drei Tagen ist extrem selten und würde in dieser kurzen Zeit in der Klinik meist gar nicht auffallen.

Mutter hält ihr Neugeborenes liebevoll im Arm, Vertrauen statt vorschnell zufüttern

Die 10-Prozent-Grenze und was sie wirklich bedeutet

Du wirst diese Zahl wahrscheinlich hören: 10 Prozent. Laut Leitlinie wird ab einer Gewichtsabnahme von 10 Prozent über das Zufüttern gesprochen. Wichtig ist das Wort gesprochen. Es bedeutet, dass darüber aufgeklärt werden muss. Es bedeutet nicht, dass du es automatisch tun musst. Die Entscheidung liegt bei dir, und das ist gut so.

Denn es kommt häufiger vor, dass eine Frau merkt, da kommt Milch, das Baby trinkt, es pullert, und trotzdem zeigt die Waage diese 10 Prozent an, oft eben wegen der Infusionen unter der Geburt. Wenn dein Kind dann ordentlich trinkt, ist das völlig in Ordnung, und ihr könnt einfach weiter beobachten. Besonders vorsichtig sind Hebammen bei Kindern mit sehr kleinem Geburtsgewicht, weil die wenig Puffer haben. Ein reifes Neugeborenes mit 3000 oder mehr Gramm darf dagegen entspannt ein paar Prozent verlieren. Rechne es einmal durch: Ein Kind mit 4000 Gramm darf rechnerisch 400 Gramm abnehmen, eines mit 2000 Gramm nur 200.

Und jetzt kommt der Punkt, den kaum jemand erklärt. Zufüttern heißt nicht automatisch Pre-Nahrung aus der Flasche. Die Empfehlung lautet zufüttern, aber wie und womit zugefüttert wird, ist dabei offen. Du kannst auch mit deiner eigenen Muttermilch zufüttern. Per Hand lässt sich Kolostrum wunderbar aus der Brust gewinnen. Jette nennt das Handentleerung, im Alltag sagen wir oft ausstreichen. Sie zeigt dem Klinikpersonal manchmal eine kleine Spritze mit 10 Millilitern Muttermilch und sagt: Das hier kann meinem Kind gegeben werden, keine Pre-Nahrung. Diese eine Information nimmt unglaublich viel Druck raus.

Woran du erkennst, ob dein Baby genug bekommt

Statt nur auf die Waage zu starren, hilft es, dein Baby im Gesamtbild zu sehen. Ist es wach und ansprechbar, oder ist es auffällig schläfrig und mag gar nicht trinken. Viel Schlaf in den ersten Tagen ist normal, übertriebene Schläfrigkeit kombiniert mit Trinkverweigerung ist ein Zeichen, genauer hinzuschauen.

Ein guter Anhaltspunkt ist die Fontanelle. Ist sie deutlich eingefallen, kann das auf zu wenig Flüssigkeit hindeuten. Aber Achtung: Wenn dein Baby aufrecht ist, ist die Fontanelle oft eingefallen, und das ist normal. Aussagekräftig ist sie eher im Liegen kurz nach dem Stillen. Bleibt sie auch dann stark eingefallen, lohnt sich ein genauerer Blick.

Auch der Urin wird gern als Maßstab genommen, oft mit der Regel von sechs nassen Windeln am Tag. Jette und ich finden diese Regel ehrlich gesagt schwierig, gerade am Anfang. In den ersten 24 Stunden trinken viele Babys nur zwei bis fünf Milliliter pro Mahlzeit. So eine Menge siehst du in der Windel kaum. Der Magen eines Neugeborenen ist anfangs etwa so groß wie eine Kirsche, da passt einfach noch nicht viel rein.

Und dann dieser Klassiker: Mir wurde im Krankenhaus bei meinem ersten Kind gesagt, mein Baby müsse in 24 Stunden mindestens zwölfmal trinken, sonst werde das nichts mit dem Stillen. Das stimmt so nicht. Gerade in den ersten 24 Stunden trinken viele Babys oft direkt nach der Geburt lange und häufig, ruhen sich danach aber stundenlang aus. Vier bis sechs Stunden Pause sind da keine Seltenheit. Sie haben ihre Nahrungsquelle gesichert und müssen erst einmal ankommen. Erst danach wird das Trinken langsam regelmäßiger.

Gemütliche Babyecke mit weicher Wickeldecke im Körbchen, Geborgenheit statt Druck beim Gewicht

Wenn das Stillen nicht in Gang kommt

Es gibt natürlich Situationen, in denen Zufüttern wirklich sinnvoll ist. Jette sagt ganz ehrlich, dass sie das gar nicht pauschal an einem festen Tag festmachen kann, weil es so individuell ist. Wenn ein Kind aber immer weiter abnimmt, gar nichts passiert und die Mutter dazu unter massivem Stress steht, dann wird es Zeit, aktiv zu unterstützen.

Wichtig zu wissen: Milchbildung lässt sich fast immer wieder ankurbeln, selbst nach einer Pause kann relaktiert werden. Aber unsere Hormone reagieren sehr empfindlich auf das Stresshormon Cortisol. Wenn im Kopf ständig die Sorge kreist, blockiert das die Milchbildung zusätzlich. Deshalb gehört zu einem guten Stillstart immer auch, Druck rauszunehmen. Haut an Haut ist dabei einer der größten Helfer. Meine Kinder lagen nach der Geburt jeweils 24 Stunden auf mir, und in Ländern wie den Niederlanden wird teils drei Tage durchgehend Haut an Haut empfohlen. Viele Stillprobleme entstehen so gar nicht erst.

Wenn die Milchproduktion gut läuft, dein Baby richtig anliegt, effizient trinkt und keine Saugverwirrung durch zu frühen Schnuller hat, dann klappt das Zunehmen in aller Regel von allein. Nimmt dein Kind trotz guter Milch und gutem Anlegen gar nicht zu und bestätigen das mehrere Fachkräfte, dann gehört auch eine organische Ursache abgeklärt. Das ist selten, aber es gehört dazu. Hol dir in solchen Fällen unbedingt eine gute Stillberatung an deine Seite, die genau hinschaut, statt vorschnell zur Flasche zu greifen.

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Wie es weitergeht: Gewichtskurve, Schnuller und Beikost

Ist der Start geschafft und dein Baby hat innerhalb der ersten zwei Wochen sein Geburtsgewicht wieder erreicht, kommen die nächsten Marker. Als grobe Orientierung gilt: bis zum halben Jahr verdoppelt, bis zum ersten Geburtstag verdreifacht. Aber auch hier ist Gewicht unglaublich individuell.

Viel wichtiger als ein einzelner Wert ist der Verlauf in der Gewichtskurve. Kinder wachsen nicht in einer schönen geraden Linie. Es gibt ein Auf, manchmal ein Ab, manchmal ein Stagnieren. Solange dein Kind grob in seiner Perzentile bleibt, ist alles gut. Erst wenn es zum Beispiel von der 90. auf die 40. Perzentile rutscht, lohnt sich die Frage, was gerade los ist.

Ein Punkt, der oft übersehen wird, ist der Schnuller. Ich höre immer wieder von einem Knick in der Gewichtskurve rund um die zwölfte Woche. Schaut man genauer hin, wurde der Schnuller ab diesem Moment häufiger gegeben. Der Schnuller kann Hunger überdecken, weil du nicht mehr unterscheiden kannst, ob dein Baby nuckelt oder wirklich Hunger hat. Bei einem rundlichen Baby mit viel Puffer fällt das kaum auf, bei einem zarten Kind, das ohnehin langsam zunimmt, kann es den Unterschied machen. Wenn dein Baby gerade in einem Wachstumsschub ist, will es vielleicht öfter an die Brust, obwohl es eben erst getrunken hat. Und das ist genau richtig so.

Was die Beikost angeht: Auch da gilt, dein Baby gibt das Tempo vor. Aber das ist ein eigenes großes Thema für eine eigene Folge.

Fazit: Vertrauen statt vorschnellem Zufüttern

Die Frage Zufüttern ja oder nein lässt sich nicht mit einer einzigen Zahl beantworten. Sie braucht den Blick auf das ganze Kind, auf den Stillstart und auf dich. Ein gesundes, reifes Neugeborenes muss in der ersten Woche fast nie zugefüttert werden. Und wenn doch zugefüttert wird, geht das auch mit deiner eigenen Muttermilch.

Die wichtigsten Punkte aus dieser Folge:

  • Gewichtsabnahme nach der Geburt ist normal, Infusionen und unterschiedliche Waagen verfälschen das Bild
  • Die 10-Prozent-Grenze heißt aufklären, nicht automatisch zufüttern. Du entscheidest
  • Zufüttern muss nicht Pre-Nahrung sein, Muttermilch per Handentleerung ist die erste Wahl
  • Schau auf das Gesamtbild: Wachheit, Fontanelle im Liegen, Trinkverhalten, nicht nur auf die Windelzahl
  • Haut an Haut, wenig Stress und eine gute Stillberatung lösen viele Probleme, bevor sie entstehen

Bitte vergiss bei allem nicht: Eine Podcastfolge oder ein Blogartikel ersetzt keine individuelle Beratung. Alles hier ist teils Leitlinie, teils Erfahrung, aber immer braucht dein Baby den persönlichen Blick. Wenn du unsicher bist, hol dir Unterstützung, die dich und dein Kind wirklich anschaut. Du darfst dabei deinem Körper und deinem Baby vertrauen, viel mehr, als man dir oft glauben macht.

FAQ zum Thema Zufüttern

Ab wie viel Prozent Gewichtsabnahme muss ich zufüttern?

Laut Leitlinie wird ab 10 Prozent Gewichtsabnahme über das Zufüttern gesprochen. Das heißt, es muss darüber aufgeklärt werden, nicht, dass du es automatisch tun musst. Bei einem gesunden, reifen Neugeborenen, das gut trinkt und pullert, kann oft weiter beobachtet werden. Die Entscheidung triffst du.

Kann ich mit Muttermilch zufüttern statt mit Pre-Nahrung?

Ja, und das ist sogar die erste Wahl. Die Empfehlung lautet zufüttern, womit bleibt offen. Per Handentleerung lässt sich Kolostrum gut aus der Brust gewinnen und deinem Baby mit einer Spritze geben. So bekommt es deine wertvolle erste Milch, ohne dass das Stillen gestört wird.

Mein Baby trinkt in den ersten Tagen selten, ist das schlimm?

In den ersten 24 Stunden trinken viele Babys nur wenige Male und ruhen sich dann lange aus. Das ist normal. Erst danach wird das Trinken regelmäßiger. Wichtig ist das Gesamtbild: Ist dein Baby ansprechbar, ist die Fontanelle im Liegen nicht stark eingefallen, wirkt es zufrieden. Bei großer Schläfrigkeit und Trinkverweigerung schau genauer hin oder hol dir Unterstützung.

Bis wann sollte mein Baby sein Geburtsgewicht wieder erreicht haben?

Als Orientierung gilt etwa der 14. Lebenstag. Das ist aber sehr individuell. Solange dein Kind kontinuierlich zunimmt, ist auch etwas mehr Zeit in Ordnung. Entscheidend ist der Verlauf, nicht ein einzelner Stichtag.

Kann der Schnuller die Gewichtszunahme beeinflussen?

Ja. Ein häufig gegebener Schnuller kann Hungerzeichen überdecken, weil du nicht mehr erkennst, ob dein Baby nuckelt oder wirklich Hunger hat. Bei zarten Babys, die langsam zunehmen, kann das zu einem Knick in der Gewichtskurve führen. Lege dein Baby im Zweifel lieber öfter an, gerade in Wachstumsschüben.

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