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Mein Kind wird ausgeschlossen: Was du tun kannst, damit es nicht in sich zerbricht

Was du in diesem Artikel lernst

Dein Kind kommt aus der Kita oder Schule und sagt unter Traenen: „Die wollen gar nicht mit mir spielen.“ Dein Mamaherz blutet. Du willst sofort einspringen, das Problem wegmachen, vielleicht das andere Kind zur Rede stellen. Ich kenne das. Ich habe genau diese Situation mit meiner Tochter erlebt.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Kind wirklich begleitest, ohne deine eigenen alten Wunden ins Spiel zu bringen. Es geht um echte Empathie, kluge Handlungsoptionen und ein Stueck Klarheit gegen die toxische Spiritualitaet, die sagt: „Heil erst deine Wunden, dann hat dein Kind keine Probleme.“

  • Warum dein erster Schritt nicht beim Kind, sondern bei dir liegt
  • Wie du Gefuehle begleitest, ohne sie wegmachen zu wollen
  • Welche Handlungsoptionen wirklich helfen und welche schaden
  • Warum „Spiel halt allein“ der schlechteste Tipp ist
  • Wie du dich klar gegen toxische Spiritualitaet abgrenzt

Inhalt

Wenn dein Kind ausgeschlossen wird: meine Geschichte

Schritt eins ist nicht das Kind. Schritt eins bist du

Empathie schenken statt Gefuehle wegmachen

Konkrete Handlungsoptionen, die helfen

Toxische Spiritualitaet: Warum dein Kind nicht deine Wunden ausbadet

Fazit

FAQ

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Wenn dein Kind ausgeschlossen wird

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Wenn dein Kind ausgeschlossen wird: meine Geschichte

Unsere Tochter ist im Kindergarten zurueck nach einer langen Pause. Ein paar ihrer alten Freundinnen sind in die Schule gewechselt, ein paar sind noch da. Sie geht offen auf die anderen zu, fragt was sie spielen wollen. Aber die haben sich in der Zeit ihre eigenen Strukturen gebaut. Manchmal wollen sie nicht mit ihr spielen.

Eines Abends lag sie in unserem Bett und hat geweint. „Ich weiss nicht mehr was ich machen soll. Ich frag doch schon was sie spielen wollen.“ Mein Mamaherz hat geblutet. Auf Instagram habe ich gefragt was die Frauen meinen, ich habe so viele Nachrichten bekommen. Teile das bitte, bei mir ist das genauso.

Mein erster Impuls war: Ach komm, ich loese das fuer dich. Oder: Sei nicht traurig, du findest andere Freundinnen. Aber das ist genau der falsche Anfang. Wir koennen unsere Kinder nicht vor allen unangenehmen Gefuehlen beschuetzen. Das ist eine der grossen Lehren der ersten Jahre Mutterschaft.

Schritt eins ist nicht das Kind. Schritt eins bist du

Bevor ich meiner Tochter Empathie schenken konnte, musste ich bei mir einchecken. Ich habe sofort gemerkt, wie eine alte Wunde bei mir getriggert wurde. Ich hatte frueher staendig das Gefuehl: Ich gehoere irgendwie nie wirklich dazu. Ich bin Aussenseiterin. Da sind die anderen, da bin ich.

Wenn dein Kind dir erzaehlt, dass es ausgeschlossen wird, wirf erst einen Blick auf dich. Welche Bilder kommen hoch? Welche Erinnerungen? Welche alten Saetze? Wenn du das nicht erkennst, dann projizierst du. Dann macht aus zwei Kindern, die heute nicht mit deiner Tochter spielen wollten, gleich ein Drama: Sie ist eine Aussenseiterin, sie wird das immer sein, sie wird nie dazugehoeren.

Genau das war meine Falle. Es waren zwei Kinder, die gerade nicht mit ihr spielen wollten. Punkt. Nicht mein altes Drehbuch. Ich habe mich also kurz selbst geerdet und meine Wunden bewusst zur Seite gelegt. Erst dann konnte ich wirklich bei meinem Kind sein.

Empathie schenken statt Gefuehle wegmachen

Marshall Rosenberg, der Vater der gewaltfreien Kommunikation, hat etwas Wichtiges gesagt: Das, was alle Menschen wollen, ist Empathie. Verstanden werden. Wir neigen aber dazu, Gefuehle bei unseren Kindern sofort wegzuwischen. „Ist doch nicht so schlimm.“ „Du findest andere Freundinnen.“ „Du bist doch toll.“

Das geht am Kind vorbei. Mein Kind braucht in dem Moment keine Loesung, sondern: „Du bist traurig darueber. Das ist ganz schoen doof.“ Wirklich in das Gefuehl reingehen, das sie gerade empfindet. Die Gefuehle dasein lassen. Begleiten. Aushalten.

Erst danach kommt die zweite Ebene. Bestaerken. Du bist gut, wie du bist. Und gemeinsam ueberlegen, woran es liegen koennte. Ich kenne meine Tochter. Sie bestimmt zu Hause gerne, das macht sie wohl auch im Kindergarten manchmal. Also habe ich vorsichtig gefragt: „Kann es sein, dass du am Anfang ein bisschen viel bestimmen wolltest?“ Sie hat ueberlegt und gesagt: „Ja, am Anfang, aber dann nicht mehr.“

Wichtig: Es geht nicht darum, dass dein Kind sich anpassen soll, damit es bei anderen gut ankommt. Es geht darum, dass es sieht, wie eigene Aktionen Reaktionen ausloesen. Das ist Beziehungsbildung, nicht Anpassung.

Stilles Kinderzimmer am Abend, Sinnbild fuer die Begleitung schwerer Gefuehle bei Ausgrenzung

Konkrete Handlungsoptionen, die helfen

Nachdem die Gefuehle da sein durften, haben wir gemeinsam Handlungsoptionen besprochen. Nicht von mir vorgegeben, sondern erarbeitet. Damit sie sich nicht ohnmaechtig fuehlt.

  • Die Kinder erstmal in Ruhe lassen, spaeter nochmal kommen: Manchmal sind die anderen Kinder gerade in ihrer eigenen Welt. Eine Pause hilft.
  • Offen fragen statt bestimmen: Statt „Wir spielen jetzt das!“ lieber „Worauf hast du heute Lust?“ Eine offene, neugierige Haltung kommt anders an.
  • Mit den Erzieherinnen sprechen: Eine erfahrene Erzieherin sieht die Dynamik. Sie kann moderieren, ohne dass du als Mama einspringst.
  • Verabredung im kleinen Rahmen: Ich habe der Mama des Maedchens geschrieben, mit dem meine Tochter so gerne spielt. Wir haben uns getroffen. Zwei Kinder ohne Gruppendruck haben oft eine andere Dynamik als in der Kita.
  • Verstehen lernen, dass Menschen unterschiedlich sind: Im Spiel habe ich gesehen, dass das andere Maedchen einfach mehr Pausen braucht. Das habe ich meiner Tochter erklaert. Es liegt nicht an ihr.

Was ich nicht empfehle: Ihr zu sagen, sie soll halt alleine spielen. Das wurde mir oft als Tipp gegeben. Klingt erstmal vernuenftig, aber es ist ein Rueckzug. Es lehrt: Wenn ich anecke oder abgelehnt werde, ziehe ich mich zurueck. Das ist nicht die Botschaft, die ich meinem Kind mitgeben will. Sie soll wissen: Du bist gut wie du bist, und du darfst neue Verbindungen suchen.

Toxische Spiritualitaet: Warum dein Kind nicht deine Wunden ausbadet

Auf Instagram bekam ich auch diesen Tipp, ziemlich scharf formuliert: „Du musst deine eigenen Wunden heilen, dann muss dein Kind das nicht mehr ausbaden.“ Das ist das, was ich toxische Spiritualitaet nenne.

Ja, wir tragen unsere Geschichten mit uns. Ja, wir geben einiges weiter, auch ueber Epigenetik und durch unseren Erziehungsstil. Ja, eigene Glaubenssaetze beeinflussen, wie wir handeln. Aber: Bei jedem Problem deines Kindes zu sagen „Das liegt an deinen Wunden“ ist absoluter Quatsch.

Dein Kind wird in seinem Leben unangenehme Situationen erleben. Mehrfach. Mit oder ohne deine voll geheilte Vergangenheit. Es gibt andere Menschen, andere Familien, andere Kinder, die auch ihre Themen mittragen. Es ist eine Wechselwirkung, kein direkter Schuldfaden von dir zu deinem Kind.

Was du tun darfst und sollst: reflektieren. Hinschauen. Wenn du selbst getriggert wirst, das wahrnehmen und zur Seite legen. Heilen, wo es sich richtig anfuehlt. Aber dich nicht jedes Mal in Schuld baden, wenn dein Kind eine schwere Situation erlebt. Das hilft niemandem. Du darfst da sein. Du darfst begleiten. Du darfst Handlungsoptionen geben. Und der Rest gehoert dem Leben.

Zwei Haende reichen sich ueber einen Tisch, Sinnbild fuer Verbindung statt Trost-Floskeln

Fazit: Du bist die ruhige Hand, nicht die Loesung

Wenn dein Kind ausgeschlossen wird, bist du nicht dazu da, das Problem wegzumachen. Du bist da, um zu begleiten, zu staerken und Handlungsoptionen zu zeigen. Das ist viel und es ist genug.

Die wichtigsten Punkte:

  • Check zuerst bei dir ein, bevor du auf dein Kind eingehst
  • Schenke Empathie, statt die Gefuehle wegzumachen
  • Erarbeitet gemeinsam Handlungsoptionen, gib sie nicht vor
  • Verzichte auf den Tipp „Spiel halt alleine“. Das lehrt Rueckzug
  • Lass dich nicht in toxische Spiritualitaet draengen. Du bist nicht schuld an jedem Schmerz deines Kindes

Manchmal hilft eine kleine Geste mehr als ein grosses Gespraech. Bei uns war es ein Freundebuch, das die Freundin am naechsten Morgen ins Fach gelegt hatte. Meine Tochter sprang mir in die Arme: „Ich glaube das ist ein Zeichen, dass sie mich doch mag.“ Die Mama auf der anderen Seite war so empathisch. Das hat alles gedreht.

FAQ: Mein Kind wird ausgeschlossen

Was sage ich meinem Kind, wenn es weint, weil andere nicht mit ihm spielen?

Erst Empathie, keine Loesung. „Du bist traurig darueber. Das ist doof.“ Lass die Gefuehle dasein. Erst danach: „Du bist gut wie du bist. Lass uns ueberlegen, was du beim naechsten Mal machen kannst.“ Vermeide „Ist doch nicht so schlimm“ oder „Du findest andere Freunde“. Das nimmt das Gefuehl weg, statt es zu begleiten.

Soll ich mit den anderen Eltern oder Erzieherinnen sprechen?

Beides ist sinnvoll. Erzieherinnen sehen die Dynamik in der Gruppe und koennen moderieren. Andere Eltern koennen helfen, Verabredungen im kleineren Rahmen zu organisieren, wo dein Kind ohne Gruppendruck eine Beziehung aufbauen kann.

Was wenn mein Kind wirklich gemobbt wird?

Mobbing ist etwas anderes als gelegentliches Ausgeschlossensein. Wenn es systematisch ist und ueber Wochen geht, hol dir professionelle Unterstuetzung in der Kita oder Schule. Das ist nicht etwas, was du allein loesen sollst.

Soll ich meinem Kind sagen, es soll sich anpassen?

Nein. Anpassung ist nicht die Loesung. Schau zusammen, ob dein Kind etwas tut, das andere stoert, und ueberlegt zusammen Alternativen. Aber dein Kind muss nicht jemand anders werden, um gemocht zu werden.

Was wenn ich selbst getriggert werde von der Situation?

Bemerke es, atme einmal durch und leg deine Wunden bewusst zur Seite. Erst dann begleite dein Kind. Wenn die alten Themen staerker werden, kann es helfen, sie mit einer Therapeutin oder im Mama-Coaching anzuschauen. Nicht damit dein Kind keine Probleme mehr hat, sondern damit du klarer bist.

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