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Stillend schwanger: Kinderwunsch trotz Langzeitstillen, was wirklich stimmt

Was du in diesem Artikel lernst

Du stillst dein erstes Kind und hast einen zweiten Kinderwunsch? Oder du bist gerade unverhofft schwanger geworden, obwohl du noch stillst und gar nicht damit gerechnet hast? Rund um Stillen und Schwangerschaft gibt es so viele Mythen, dass viele Frauen mit halben Wahrheiten oder schlichten Falschaussagen aus der Frauenarztpraxis nach Hause gehen.

In dieser Folge habe ich mit Sabrina gesprochen. Sie ist Still-, Formula- und Beikostberaterin, hat ihren ersten Sohn mit zwei Jahren noch gestillt und ist genau in dieser Zeit erneut schwanger geworden. Wir klären, welche Mythen sich hartnäckig halten, was die LAM-Methode wirklich aussagt und warum du in den allermeisten Fällen nicht abstillen musst, weil du schwanger bist.

  • Warum Stillen kein verlässlicher Verhütungsschutz ist
  • Was die LAM-Methode der Naturvölker uns wirklich zeigt
  • Wann der erste Eisprung in der Stillzeit zurückkommt
  • Warum die Studie von 2009 viele Frauenarzt-Mythen widerlegt
  • Wie du dich entspannt in den Kinderwunsch hinein begleitest

Inhalt

Schützt Stillen vor einer neuen Schwangerschaft?

Die LAM-Methode und was wir von Naturvölkern lernen

Wann der Körper wieder fruchtbar wird

Muss ich abstillen für den Kinderwunsch?

Stillend schwanger werden, was nun?

Was tun, wenn der Frauenarzt zum Abstillen drängt?

Fazit

FAQ

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Über stillen, Kinderwunsch und stillend schwanger sein

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Schützt Stillen vor einer neuen Schwangerschaft?

Das ist einer der hartnäckigsten Mythen, der bis heute auch von vielen Ärztinnen weitergegeben wird. Solange du stillst, wirst du nicht schwanger. Solange du keine Periode hast, ist nichts zu befürchten. So pauschal stimmt das aber nicht. Es gibt eine Methode, die Laktationsamenorrhoe heißt, kurz LAM. Sie ist auch tatsächlich sehr zuverlässig, allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen, die in unserer westlichen Gesellschaft fast nie erfüllt sind.

Sabrinas eigene Frauenärztin hat ihr fünf Monate vor ihrer Schwangerschaft gesagt: Sie müsse erst abstillen, dann sechs Monate warten, und erst dann könne überhaupt etwas eingenisten. Sabrina ist trotzdem stillend schwanger geworden, bei einem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt 21 Monate alt war und immer noch nach Bedarf gestillt wurde. Das passiert öfter, als der Mythos vermuten lässt.

Die LAM-Methode und was wir von Naturvölkern lernen

Wenn man Naturvölker anschaut, dann liegen zwischen den Geschwistern oft drei bis fünf Jahre. Das passiert, weil dort wirklich nach Bedarf gestillt wird. Jedes Mal, wenn das Baby Bedürfnisse zeigt, kommt es an die Brust. Kein Schnuller, keine Stillhütchen, keine Zufütterung, keine Fläschchen, keine festen Stillzeiten. Wirklich alles über die Brust.

Unter diesen Bedingungen ist die LAM-Methode in den ersten sechs Monaten zu 99 Prozent sicher. Drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Es wird wirklich nach Bedarf gestillt, ohne Störfaktoren. Die Mama hat noch keine Periode nach dem 56. Tag nach der Geburt gehabt. Und das Baby ist unter sechs Monaten alt. Danach nimmt die Sicherheit langsam ab.

In Europa kennt fast keine von uns eine Stillbeziehung, die diese Bedingungen wirklich erfüllt. Wir füttern zu, wir geben Schnuller, wir lassen pumpen. Damit ist die LAM-Methode bei uns nicht mehr verlässlich. Deshalb: Stillen ist kein Verhütungsmittel im Sinne unserer westlichen Erwartung.

Schwangere Frau mit Kalender als Symbol für Kinderwunsch in der Stillzeit

Wann der Koerper wieder fruchtbar wird

Sabrina hat ihre Periode 13 oder 14 Monate nach der Geburt wiederbekommen, super unregelmäßig, irgendwas zwischen 25 und 40 Tagen Zykluslänge. Eine Studie zeigt, dass die meisten Mütter ihre Periode zwischen neun und 18 Monaten zurückbekommen. Auch zwei Jahre ohne Periode beim langzeitstillenden Kind sind in dieser Studienlage absolut normal. Das ist kein Krankheitszeichen, sondern ein Schutzmechanismus deines Körpers, weil eine sehr enge Schwangerschaftsabfolge biologisch eine massive Belastung wäre.

Was viele übersehen: Der erste Eisprung kommt vor der ersten Blutung. Du kannst also schwanger werden, ohne vorher überhaupt eine Periode gehabt zu haben. Sabrina hat ihren ersten Eisprung daran gespürt, dass ihre Brustwarzen beim Stillen plötzlich extrem empfindlich waren. Das ist hormonell bedingt und kann ein erstes Zeichen sein. Wenn du also keinen weiteren Kinderwunsch hast, verhüte trotzdem aktiv, sobald du fertig stillen möchtest oder unsicher bist.

Muss ich abstillen für den Kinderwunsch?

Sehr klare Antwort: meistens nicht. Das natürliche Abstellalter liegt zwischen zwei und sieben Jahren, je nach Quelle zwei bis vier. Wenn dein Kind noch in diesem Fenster ist und du wegen des Kinderwunsches abstillen würdest, würdest du etwas wegnehmen, was deinem Kind aus biologischer Sicht zusteht. Und das für ein zweites Kind, das noch gar nicht existiert.

Was die Hormone betrifft: Je häufiger dein Kind stillt, desto mehr Prolaktin schüttest du aus. Prolaktin hemmt den Eisprung. Wenn dein Kind noch sehr häufig stillt, sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen Eisprung. Aber sie ist nicht null. Und in dem Moment, in dem dein Kind etwas weniger stillt, kommt der Eisprung oft zurück. Sabrinas Erkenntnis: Wenn mein Kind so oft stillt, dass kein Eisprung passiert, dann ist auch mein Kind noch nicht bereit, mich zu teilen. Dieser Gedanke hat ihr in der Kinderwunschphase sehr geholfen.

Was du tun kannst, ohne abzustillen

Versuche, deinen Stress rauszunehmen. Vertraue darauf, dass dein Körper weiß, wann er bereit ist. Tausche dich mit anderen Mamas aus, die stillen und einen Kinderwunsch haben. Geh zur Frauenärztin, um anatomische Ursachen ausschließen zu lassen, aber lass dich nicht zum sofortigen Abstillen drängen, wenn du das nicht möchtest. Dein Wunsch nach einem zweiten Kind darf existieren, und gleichzeitig darf dein erstes Kind die Stillzeit bekommen, die ihm zusteht.

Stillleben mit Tagebuch und Tee als Symbol für reflektierte Familienplanung

Stillend schwanger werden, was nun?

Wenn du dann tatsächlich stillend schwanger geworden bist, wirst du oft mit dem zweiten großen Mythos konfrontiert: Du musst sofort abstillen, sonst riskierst du eine Früh- oder Fehlgeburt. Das ist seit einer Studie aus dem Jahr 2009 widerlegt. Die Sorge bezieht sich auf das Hormon Oxytocin, das beim Stillen ausgeschüttet wird. Oxytocin kann Kontraktionen auslösen, aber eine Kontraktion ist erst dann geburtsfördernd, wenn dein Körper geburtsbereit ist.

Das Prinzip ist ähnlich wie bei der italienischen Methode der Geburtseinleitung, also durch Sex mit dem Partner. Wenn dein Körper noch nicht bereit ist, geboren zu werden, dann passiert auch nichts. Wenn dein Körper bereit ist, sind die Kontraktionen lediglich der finale Anstoß. In den allermeisten Fällen kannst du also durchstillen, solange dein Körper, dein älteres Kind und du es möchtet.

Wichtige Ausnahme: Wenn deine Schwangerschaft hochrisikobehaftet ist, eine Zervixinsuffizienz vorliegt oder vorzeitige Wehen festgestellt werden, dann sprich individuell mit einer auf das Thema spezialisierten Hebamme oder Ärztin. Eine pauschale Empfehlung zum Abstillen, nur weil du schwanger bist, ist aber medizinisch nicht haltbar.

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Was tun, wenn der Frauenarzt zum Abstillen draengt?

Es passiert sehr oft, dass die ersten Sätze in der Praxis lauten: Sie müssen jetzt abstillen. Wenn du das nicht möchtest, brauchst du gute Argumente und idealerweise einen Plan, wie du dir Unterstützung holst. Du darfst die Studie von 2009 ansprechen. Du darfst eine Stillberaterin oder eine Hebamme mit Stillkompetenz hinzuziehen. Du darfst eine zweite Meinung einholen.

Und vor allem darfst du wissen: Wenn keine medizinische Sondersituation vorliegt, ist Tandemstillen, also stillen während der Schwangerschaft und nach der Geburt beider Kinder, möglich und für viele Familien eine wundervolle Lösung. Es kann die Bindung zum großen Kind in der Umstellungsphase tragen, gerade wenn das Baby kommt und die Welt sich verändert. Manche Kinder regulieren ihren Stillbedarf in der Schwangerschaft von alleine herunter, weil die Milchmenge zurückgeht oder der Geschmack sich verändert. Andere stillen begeistert weiter.

Was es braucht, ist Wissen, Unterstützung und der innere Frieden, dass dein Weg richtig ist, auch wenn dein Umfeld andere Erwartungen hat. Das ist nicht trivial. Aber es lohnt sich, gerade in dieser intensiven Familiengründungsphase, sich bewusst zu entscheiden, statt sich verunsichern zu lassen.

Fazit: Stillen und Kinderwunsch sind kein Widerspruch

Die Mythen rund um Stillen und Schwangerschaft halten sich hartnäckig. Sie machen vielen Frauen Druck, abzustillen, zu warten, sich zu sorgen. Dabei zeigt die Studienlage etwas anderes. Stillen schützt nicht zuverlässig vor einer neuen Schwangerschaft. Du kannst stillend schwanger werden, und du musst dann in den allermeisten Fällen nicht abstillen.

Die wichtigsten Punkte aus dieser Folge:

  • Die LAM-Methode wirkt nur unter sehr engen Bedingungen, die in Europa fast nie erfüllt sind
  • Der erste Eisprung kommt vor der ersten Periode. Du kannst also vorher schwanger werden
  • Prolaktin hemmt den Eisprung, aber nicht zuverlässig genug für Verhütung
  • Abstillen wegen Kinderwunsch oft nicht nötig und biologisch ungünstig für das Erstkind
  • Die Studie von 2009 widerlegt die Sorge, dass Stillen in der Schwangerschaft Fehl- oder Frühgeburten auslöst
  • Bei pauschaler Aufforderung zum Abstillen lohnt sich eine zweite Meinung

Vertraue auf deinen Körper. Hol dir gute Begleitung. Und gib der Frage Zeit. Dein Kinderwunsch darf existieren, dein Erstkind darf weiterhin gestillt werden, und beides darf nebeneinander Platz haben.

FAQ zum stillend schwanger werden

Kann ich stillend schwanger werden, auch ohne meine Periode wiederbekommen zu haben?

Ja, das geht. Der erste Eisprung kommt vor der ersten Periode. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen Frauen ohne vorherige Blutung wieder schwanger geworden sind. Wenn du aktiv verhüten möchtest, verlasse dich nicht auf das Ausbleiben der Periode.

Wann ist die LAM-Methode wirklich sicher?

Nur unter drei Bedingungen: Dein Baby ist unter sechs Monate alt, du stillst voll nach Bedarf ohne Zufütterung oder Sauger, und du hast nach dem 56. Tag nach der Geburt noch keine Periode gehabt. Sobald eine dieser Bedingungen wegfällt, sinkt die Verhütungssicherheit deutlich.

Muss ich abstillen, wenn ich schwanger werde?

In den meisten Fällen nein. Eine Studie aus 2009 widerlegt die Sorge, dass Stillen in der Schwangerschaft Fehl- oder Frühgeburten auslöst. Bei Hochrisikoschwangerschaften, Zervixinsuffizienz oder vorzeitigen Wehen sprich mit einer stillkompetenten Hebamme oder Ärztin.

Ab wann ist mein Körper nach der Geburt wieder fruchtbar?

Sehr individuell. Studien zeigen, dass die meisten Mütter ihre Periode zwischen neun und 18 Monaten zurückbekommen, manche erst nach zwei Jahren oder noch später. Das ist alles im Rahmen des Normalen, gerade beim Langzeitstillen.

Was kann ich tun, wenn ich stillend einen Kinderwunsch habe?

Reduziere deinen inneren Druck, vertraue deinem Körper, tausche dich mit anderen Mamas aus. Lass eine anatomische Ursache ausschließen, aber lass dich nicht zum sofortigen Abstillen drängen. Wenn dein Kind nach Bedarf stillt, signalisiert dein Körper oft, wann er bereit ist.

Ist Tandemstillen möglich?

Ja. Viele Familien stillen das große Kind durch die Schwangerschaft hindurch und nach der Geburt parallel mit dem Baby. Das kann die Bindung zum Erstkind stärken. Manche Kinder regulieren ihren Stillbedarf in der Schwangerschaft selbst herunter.

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