Beduerfnisorientiert erziehen: Was wir von Affenmuettern lernen
Was du in diesem Artikel lernst
Du fragst dich, wie viel Naehe dein Baby wirklich braucht? Du hast das Gefuehl, Stillen muesste doch einfach von alleine laufen? Du moechtest verstehen, was beduerfnisorientiert eigentlich heisst, ohne dich dabei selbst zu verlieren?
Die Idee zu dieser Folge kam mir beim Zoobesuch, als ich mich an die Geschichte einer Affenmutter erinnerte. Anhand dieser Geschichte zeige ich dir, warum Stillen kein Instinkt, sondern eine erlernte Handlung ist, warum dein Baby so viel Koerpernaehe braucht und wie Tragen euren Alltag spuerbar erleichtert.
- Warum unsere Babys Traglinge sind wie Affenkinder
- Was die Geschichte der Affenmutter ueber das Stillen verraet
- Warum Premilch und Schnuller oft das Stillen sabotieren
- Warum Koerpernaehe den Koerper deines Babys reguliert
- Wie du beduerfnisorientiert lebst und trotzdem dein Leben weiterfuehrst
Inhalt
Die Geschichte der Affenmutter
Warum so viele Frauen nicht stillen koennen
Unsere Babys sind Traglinge
Unser Erbgut ist dem der Affen sehr nah. Und unsere Babys sind genauso Traglinge wie Affenkinder, auch wenn Affenkinder etwas mobiler unterwegs sind. Das liegt daran, dass Menschenbabys unreif geboren werden: Durch den aufrechten Gang wurde unser Becken schmaler und durch unser Denkhirn wurden unsere Koepfe groesser. Affen passen besser durch den Geburtskanal und werden daher reifer geboren. Trotzdem tragen sie ihre Babys.
Unsere Babys brauchen ganz viel Koerpernaehe, und zwar nicht nur, um Liebe zu spueren, sondern auch, damit ihr Koerper sich regulieren kann. Naehe reguliert ihre Atmung, ihre Temperatur und ihren Herzschlag. Das gilt besonders auch beim Schlafen.
Genau hier setzt beduerfnisorientiert erziehen an: Wir schauen, was unser Baby wirklich braucht, statt nach starren Regeln zu handeln. Und Naehe steht dabei ganz oben.
Die Geschichte der Affenmutter
Es war einmal eine Affenmutter, die im Zoo aufgewachsen ist und nie eine andere Affenmutter hat stillen sehen, weil es einfach keine andere gab. Als sie ihr erstes Baby bekam, war sie nicht in der Lage, es zu stillen. Das Baby verstarb leider.
Als sie das naechste Mal traechtig war, hatte ein Tierpfleger eine Idee und setzte stillende Muetter vor das Gehege. Die Affenmutter konnte zuschauen. Und als dann ihr Baby geboren wurde, wusste sie, wie es geht.
Diese Geschichte zeigt: Stillen ist auch bei Affen kein Instinkt, der einfach laeuft. Wir lernen es durch Zuschauen oder durch Erklaerungen und brauchen dafuer Unterstuetzung. Zu denken, das Stillen wird schon irgendwie laufen, ist eines der groessten Probleme, warum so viele Frauen vermeintlich nicht stillen koennen. Sie koennten es naemlich. Es wurde ihnen nur nicht richtig gezeigt.

Warum so viele Frauen nicht stillen koennen
So viele Frauen bekommen das Gefuehl gegeben, sie koennten einfach nicht stillen. Dabei ist Stillen eine erlernte Handlung. Es braucht eine gute Vorbereitung, weil es eben kein Instinkt ist. Und es gibt so viele falsche Vorstellungen.
Es faengt schon damit an, dass haeufig vergessen wird, wie winzig der Babymagen anfangs ist. Das Kolostrum, das am Anfang gebildet wird, reicht in aller Regel aus. Nur ganz selten, etwa bei Schwangerschaftsdiabetes und einem unterzuckerten Baby, muss zugefuettert werden. Und selbst dann braucht es keine Flasche. Man kann es vom Loeffel, mit dem Finger oder aus einem kleinen Becher geben.
Was dann oft passiert: Das Baby weint nach der Geburt und es heisst, es habe Hunger. Aber sehr oft weint dein Baby, weil es die Geburt verarbeitet, weil alles neu ist, weil es seine Gefuehle rauslassen will oder weil es mal muss. Wird trotzdem zugefuettert, beginnt die Negativspirale:
- Saugverwirrung: Das Saugen an der Flasche ist anders als an der Brust.
- Weniger Milchbildung: Das Baby geht weniger an die Brust, also wird weniger Milch angeregt.
- Fresskoma statt Zufriedenheit: Das Baby wird ruhig und schlaeft, weil es ueberfuettert ist, nicht weil es gluecklich satt ist.
Und auch beim Schnuller gilt: Es gibt kein Saugbeduerfnis, Saugen ist ein Reflex. Hinter dem Saugen steckt ein echtes Beduerfnis, naemlich Hunger, Naehe oder Entspannung. Der Schnuller loest das nicht, es gibt andere Wege.
Koerpernaehe und Schlaf
Wuerde eine Affenmama ihr Baby woanders hinlegen, in ein Nachbarnestchen oder eine andere Hoehle? Vermutlich nicht. Und bei uns Menschen war das auch schon immer so. Wir haben schon immer mit unseren Kindern zusammen geschlafen.
Das ist genau richtig und uebrigens die beste Prophylaxe gegen ploetzlichen Kindstod, solange die Mama keinen Alkohol, keine Drogen, kein Rauchen und keine schweren Medikamente nimmt. Die Koerpernaehe gibt Sicherheit, sie reguliert den Koerper des Kindes, und es kann jederzeit auf die wichtige Milch zugreifen. Denn nachts brauchen Babys Nahrung, damit ihre Gehirne wachsen und sie sich bestmoeglich entwickeln.
Bei Tieren ist das voellig normal, und bei uns wird ploetzlich das eigene Bett, die Rueckenlage und der Schlafsack empfohlen. Viele Babys moegen keinen Schlafsack, und schon ist das Schlafen schwierig. Dabei gibt es andere Wege: Du kannst deinem Kind waermere Sachen anziehen und es ganz nah bei dir schlafen lassen, im Beistellbett oder bei dir. Oft ist das Beistellbett sogar noch zu weit weg, weil es nicht den engen Koerperkontakt ermoeglicht, den viele Babys brauchen.

Beduerfnisorientiert leben ohne dich zu verlieren
Die Affenmama beobachtet nicht den ganzen Tag, wie sie ihr Baby bespassen kann. Sie lebt ihr Leben weiter und achtet dabei auf die Beduerfnisse ihres Kindes. Genau das duerfen wir auch.
Damit meine ich nicht, einfach alles zu tun, was du willst, und dein Baby ist immer dabei. Aber du darfst Dinge machen, die dir gut tun. Du kannst raus in den Wald, in die Natur, dich mit Freundinnen treffen. Bind dein Baby um und es wird so viel einfacher.
Wenn dir Ordnung wichtig ist, so wie mir, dann darfst du dein Kind umbinden und kochen oder schnell durchsaugen, waehrend es getragen wird. Viele Mamas sagen, sie schaffen gar nichts mehr und das stresst sie. Einfach Baby umbinden hilft. Genau wie die Affenmama, die ihr Leben weiterfuehrt und ihr Baby dabei traegt.
Und zum Thema Schlaf bleibt mein wichtigster Satz: Koerpernaehe, Koerpernaehe, Koerpernaehe erleichtert so vieles.
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Fazit: Naehe ist kein Verwoehnen
Beduerfnisorientiert erziehen heisst, deinem Baby die Naehe und Unterstuetzung zu geben, die es wirklich braucht. Die Affenmutter zeigt uns, dass Stillen erlernbar ist und dass wir Vorbilder und Vorbereitung brauchen. Und sie zeigt uns, dass Tragen und Naehe ganz natuerlich zum Leben mit Baby gehoeren.
Die wichtigsten Punkte:
- Unsere Babys sind Traglinge und brauchen viel Koerpernaehe
- Stillen ist kein Instinkt, sondern eine erlernte Handlung
- Vorschnelles Zufuettern und Schnuller koennen das Stillen sabotieren
- Koerpernaehe reguliert den Koerper deines Babys, auch im Schlaf
- Du darfst dein Leben weiterleben und dein Baby dabei tragen
Du darfst auf dein Baby und auf dich hoeren. Naehe ist kein Verwoehnen, sondern die Basis fuer ein Kind, das in Geborgenheit waechst.
FAQ: Beduerfnisorientiert erziehen
Verwoehne ich mein Baby, wenn ich es so viel trage?
Nein. Babys sind Traglinge und brauchen Koerpernaehe, um ihre Atmung, Temperatur und ihren Herzschlag zu regulieren. Tragen erfuellt viele Beduerfnisse gleichzeitig und ist kein Verwoehnen, sondern artgerecht.
Ist Stillen wirklich erlernbar?
Ja. Die Geschichte der Affenmutter zeigt, dass selbst Tiere das Stillen durch Beobachtung lernen. Bei uns fehlen oft die Vorbilder. Mit guter Vorbereitung und Unterstuetzung gelingt Stillen den allermeisten Frauen.
Mein Baby weint nach der Geburt, hat es Hunger?
Sehr oft weint dein Baby nicht aus Hunger, sondern weil es die Geburt verarbeitet, alles neu ist oder es mal muss. Das Kolostrum reicht in der Regel aus. Vorschnelles Zufuettern kann das Stillen erschweren.
Darf mein Baby bei mir im Bett schlafen?
Gemeinsames Schlafen ist natuerlich und gilt als gute Prophylaxe gegen ploetzlichen Kindstod, solange die Mama keinen Alkohol, keine Drogen, kein Rauchen und keine schweren Medikamente nimmt. Koerpernaehe gibt Sicherheit und reguliert den Koerper deines Babys.
Kann ich beduerfnisorientiert leben und trotzdem etwas fuer mich tun?
Ja. Bind dein Baby um und lebe deinen Alltag weiter. Du darfst spazieren gehen, Freundinnen treffen oder den Haushalt machen, waehrend dein Baby getragen wird. Genau wie die Affenmama, die ihr Leben weiterfuehrt.



