Geburtsbericht Claudia: Von der traumatischen ersten zur Traumgeburt mit dem zweiten Kind
Was dich in diesem Geburtsbericht erwartet
Claudia hätte selbst nie gedacht, dass sie eines Tages sagen würde: das war meine Traumgeburt. Ihre erste Geburt hatte sie als nah am Trauma erlebt. Sie hat lange zu den Frauen gehört, die sagten, eine schöne Geburt sei unmöglich. Bis ihr zweites Kind kam.
In diesem Bericht erzählt Claudia, wie ihr mental vorbereitete zweite Geburt verlief: vom ersten Ziehen um 3 Uhr nachts, dem emotionalen Abschied von ihrer dreijährigen Tochter, der Anrufkette mit Hebamme und Kreissaal, Weihrauch als Duftanker, Lachgas in der richtigen Dosis und drei Presswehen mit der J-Atmung, bis ihr Sohn um 12:06 Uhr in ihren Armen lag.
- Wie Claudia es schaffte, mental in der Akzeptanz zu bleiben statt im Kontrollkampf
- Warum die Wehen-Tracker-App sie zuerst beruhigte und dann verunsicherte
- Wie Weihrauch und Pfefferminz als Duftanker funktionierten
- Was Lachgas wirklich macht und warum Claudia es nicht mehr missen möchte
- Warum sie drei Presswehen brauchte und die J-Atmung sie überrascht hat
Inhalt
Die Vorgeschichte: eine traumatische erste Geburt
3 Uhr nachts: die ersten Wehen kommen
Der Abschied von der großen Schwester
Anruf bei der Hebamme: jetzt darfst du losfahren
Im Kreissaal: Duftanker, Audio und Lachgas
Die Vorgeschichte: eine traumatische erste Geburt
Claudia war beim zweiten Kind eine andere Frau als beim ersten. Bei ihrer ersten Geburt war sie mit positiven Gedanken in den Kreissaal gegangen, hatte eine gute Schwangerschaft hinter sich, war überzeugt, dass sie das schon schaffen würde. Die Geburt hat sie dann völlig überrollt. Überfordert mit den Schmerzen, verloren in der Situation, kaum noch fähig, bei sich und bei ihrem Kind zu bleiben. Eine PDA, die sie nicht geplant hatte, ausgeprägte Geburtsverletzungen, die fast in den OP geführt hätten.
Nach dieser ersten Erfahrung war ihr klar: ein zweites Mal so geht nicht. Reines positives Denken reicht nicht. Sie hat meinen Kurs Umgang mit Geburtsschmerzen gemacht, hat geübt, hat mental gearbeitet. Und sie sagt heute: das war der Schlüssel.
3 Uhr nachts: die ersten Wehen kommen
Claudia war zwei Tage über dem errechneten Termin, die Frauenärztin hatte am Tag zuvor nichts Auffälliges festgestellt. In der Nacht spürte sie ab 3 Uhr Übungswehen, wie schon Tage davor. Diesmal merkte sie aber: sie ist nicht ruhig genug, um sich einfach hinzulegen. Etwas ist anders.
Sie stand auf. Genau das hatte sie sich gewünscht: dass es nachts losgeht, damit sie ungestört in ihre eigene Wahrnehmung kommt. Sie lud sich eine Wehen-Tracker-App herunter. Am Anfang half das Tracken, sie bekam ein Gefühl für die Abstände. Dann verunsicherte es sie. Die Abstände waren nicht regelmäßig, mal länger, mal kürzer, die App gab Empfehlungen, die nicht zu ihrem Bauchgefühl passten. Claudia hat die App wieder ausgeschaltet. Eine Entscheidung, die für sie ein Wendepunkt war.
Sie richtete ihrer dreijährigen Tochter die Vesperbox für den Kindergarten, veratmete dabei die Wehen, ging mit dem Tag in ihrem Tempo um. Um 5 Uhr rief sie zum ersten Mal im Kreissaal an. Die Hebamme empfahl ihr eine Badewanne und Geduld. Auch da brachte ihr die Badewanne körperlich keine Klärung. Die Wehen wurden nicht intensiver, sie wurden nicht schwächer. Sie blieben.
Der Abschied von der großen Schwester
Claudias Mann wachte irgendwann auf, sah seine Frau in der Wanne, verstand wenig, brauchte einen kurzen Briefing-Moment. Die dreijährige Tochter wurde wach. Und es kam der Moment, den Claudia heute noch mit Tränen in den Augen beschreibt.
Sie sagte ihrer Tochter: es kann sein, dass heute das Baby kommt. Das Kind, das so lange auf sein Geschwisterchen gewartet hatte, schaute sie mit großen Augen an, strahlte sie an, sagte: oh, wie schön.
Dieser Übergang. Eine Ära ein Kind war zu Ende. Die Tochter würde Geschwisterkind werden. Claudia konnte sich verabschieden, in Ruhe, als Familie. Das war kein Selbstverständnis, das war Geschenk. Sie hatte ihrer Tochter immer wieder erklärt, dass Mama und Papa eines Nachts vielleicht weg müssten, dass dann Oma oder Opa da wäre. Sie hatte nicht jeden Tag davon gesprochen. Und genau deshalb wurde dieser Moment so klar.
Die Tochter ging in den Kindergarten. Claudia konnte zurück zu sich und zu ihrem ungeborenen Sohn.

Anruf bei der Hebamme: jetzt darfst du losfahren
Im Bett wieder zurück, Audio aus meinem Kurs auf den Ohren, Meditationsmusik im Hintergrund, Kraftort gedanklich aufgesucht. Die Wehen wurden intensiver, die Abstände blieben unregelmäßig. Gegen 9 Uhr morgens rief sie ihre Schwangerschaftshebamme an. Mitten im Gespräch kam eine Wehe, die sie veratmen musste, sie konnte nicht weitersprechen.
Die Hebamme hat genau das gespürt. Sie sagte: so wie ich dich erlebe und das ist deine zweite Geburt, rechne damit, dass es schneller geht. Fahr in den Kreissaal, in den nächsten Stunden kommt dein Kind. Das war der Startschuss, den Claudia gebraucht hat. Sie hatte Sorge, zu früh anzukommen und wieder weggeschickt zu werden. Sie hatte gleichzeitig Sorge, zu spät zu sein und im Auto zu gebären. Diese eine Hebammen-Stimme hat das aufgelöst.
Um 9:30 Uhr waren sie im Kreissaal. Eine glückliche Fügung: zwei Hebammen waren da, eine kam gerade aus der Elternzeit zurück und wurde eingearbeitet, die andere war die, die schon Claudias erste Geburt begleitet hatte. Diese Vertrautheit war ein Geschenk. Die Ärztin tastete den Muttermund: 4 Zentimeter. Bei der ersten Geburt war die gleiche Zahl ein Schock gewesen, weil sie da schon am Ende ihrer Kräfte war. Diesmal nahm sie die Zahl als Information. Sie war bei sich.
Im Kreissaal: Duftanker, Audio und Lachgas
Claudia setzte ihre Ohrenstöpsel ein, startete das Geburtsaudio aus meinem Kurs. Sie hatte das bewusst aufgespart und es das erste Mal an diesem Tag gehört. Ruhe-Atmung, Wehen-Atmung, Kraftort.
Sie setzte ihren Duftanker. Im Vorfeld hatte sie sich für zwei Düfte entschieden: Pfefferminz, falls sie etwas brauchen würde, das sie pusht. Weihrauch, um sich zu erden. Weihrauch hatte sie früher widerlich gefunden, in der Geburtsvorbereitung wurde es plötzlich genau das, was passte. Sie brauchte nichts, was sie pushte, sie war fit. Sie brauchte Erdung. Weihrauch hat das geliefert.
Dann kam der Punkt, an dem die Intensität so zunahm, dass sie an die erste Geburt erinnert wurde. Sie wollte nicht in diesen negativen Gedankenstrudel rutschen. Sie sagte: ich hätte gerne etwas gegen die Schmerzen. Die Hebammen besprachen sich, was Claudia in dem Moment verunsicherte. Im Nachhinein erklärten sie ihr: sie war schon so weit, eine Schmerzinfusion wäre über die Plazenta beim Kind angekommen. Stattdessen bekam sie Lachgas.
Claudia hatte sich vorher nie damit beschäftigt. Sie nahm es an. Und sie sagt heute: es war eine super Lösung. Die Maske, der Finger zum Steuern, kurze Lernkurve. Wichtig war: tief und regelmäßig ein- und ausatmen, sonst wird einem schwindelig. Das Lachgas hat den Schmerz während der Wehe runterreguliert, ohne ihr die Empfindung komplett zu nehmen. Sie blieb in Verbindung. Sie blieb bei sich. Genau das war ihre Intention gewesen.

Drei Presswehen und die J-Atmung
Um 11 Uhr platzte die Fruchtblase, im Stehen, am Kreissaalbett, während einer Wehe. Wie im Film, sagt Claudia. Ab da ging es schnell. Sie wechselte auf den Gebärhocker, lehnte sich am Rückenteil des Kreissaalbetts an, rechts und links eine Hebamme, die ihre Beine stützten, weil die Oberschenkel müde wurden. Ihr Mann direkt neben ihr, auf der anderen Seite die Lachgasmaske. Komplett eingebettet.
Was sie selbst überrascht hat: die Hebammen sprachen kaum mit ihr. Bei der ersten Geburt hatte sie viel Input gebraucht, weil sie ihrem Körper nicht traute. Diesmal spürten die Hebammen, dass sie keine Anweisungen brauchte. Sie ließen sie machen.
Dann kam die Phase, in der sie merkte: jetzt muss ich aktiv mitarbeiten. Und da kam die J-Atmung aus meinem Kurs. Claudia hatte sie auf der Toilette geübt, hatte gedacht, im Ernstfall werde das schwer. Sie hat sich daran erinnert. Sie hat es umgesetzt. Sie hat dieses Pressen gar nicht als Pressen wahrgenommen, sondern als Schieben. Drei Presswehen. Bei der ersten rutschte er weit runter. Bei der zweiten kam der Kopf. Bei der dritten der Körper. Um 12:06 Uhr war ihr Sohn da.
Sie war laut. Sie hat in die Lachgasmaske hineingeschrien. Nicht aus Schmerz, sondern weil das die Kraft freigesetzt hat, die sie brauchte. Sie hatte am Ende eine Verletzung, die mit drei Stichen genäht wurde. Im Vergleich zur ersten Geburt nicht vergleichbar.
Ankommen als Familie
Die Hebammen ließen Claudia von Gebärhocker auf das Bett gleiten, legten ihren Sohn direkt auf ihre Brust. Zwei Stunden Bonding. Die Nachgeburt nebenbei, unkompliziert, schmerzarm. Auch da der Vergleich zur ersten Geburt, wo sie kurz vor dem OP gestanden hatte.
Claudia blieb eine Nacht in der Klinik. Am nächsten Tag holte ihr Mann sie mit der großen Schwester ab. Die Tochter brachte Kuscheltiere und Blumen mit. In Claudias Kliniktasche lag eine Puppe, ein Geschenk vom Baby an die Schwester. Die Dreijährige strahlte, umarmte das Baby, gab ihm einen Kuss. Keine Berührungsängste, keine Ablehnung.
Sie verließen die Klinik als vollständige Familie. Genau das, vor dem Claudia in der Schwangerschaft Angst hatte: dass die anderen wieder gehen und sie alleine zurückbleibt. Stattdessen gingen alle gemeinsam nach Hause.
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Fazit: Was Claudias Geburtsbericht zeigt
Eine Geburt ist nicht ein Spaziergang. Claudia sagt selbst: sie ist eine Wanderung. Mächtig, wuchtig, fordernd. Und sie darf trotzdem schön werden. Schön bedeutet nicht schmerzfrei. Schön bedeutet: bei sich bleiben, eigene Entscheidungen treffen, Unterstützung annehmen, ohne sich selbst dafür zu verurteilen.
Was Claudia weitergeben möchte:
- Mentale Geburtsvorbereitung ist der entscheidende Hebel. Ein klassischer Geburtsvorbereitungskurs mit wenig mentalem Anteil reicht nicht.
- Nimm Hilfsmittel an, wenn du sie brauchst. Lachgas, eine PDA, eine Position, die du dir nicht vorgestellt hattest. Das schmälert deine Geburt nicht.
- Bleib bei dir, auch wenn es anders kommt als geplant. Frag dich: was kann ich jetzt machen, was mir gut tut?
- Die Akzeptanz, dass Wehen dazu gehören, ist mächtiger als der Versuch, sie zu kontrollieren.
- Ein guter Übergang für das Geschwisterkind beginnt lange vor der Geburt und macht den ersten Moment des Kennenlernens leicht.
Claudia hatte beim zweiten Mal alles, was beim ersten Mal gefehlt hat: eine mentale Vorbereitung, eine vertraute Hebamme, einen klaren Duftanker, ein vertrautes Audio, die Bereitschaft, anzunehmen statt zu kämpfen. Drei Presswehen. Ein gesundes Kind. Eine Traumgeburt. Und eine Frau, die heute sagt: ich hätte nie gedacht, dass das geht. Es geht.



