Geburtsvorbereitungskurs notwendig? Hebammenkurs und mentale Vorbereitung im Vergleich
Was du in diesem Artikel lernst
Die Frage taucht in meiner Arbeit fast taeglich auf: Ist ein Geburtsvorbereitungskurs wirklich notwendig? Und wenn ich schon einen mentalen Kurs gemacht habe, brauche ich dann ueberhaupt noch den Kurs bei der Hebamme? Meine ehrliche Antwort auf die erste Frage ist ein klares Ja.
In dieser Folge erklaere ich dir, warum ein Geburtsvorbereitungskurs Sinn macht, ab wann du am besten startest und wo genau die Unterschiede zwischen einem Hebammen geleiteten Kurs und der mentalen Geburtsvorbereitung liegen. So kannst du fuer dich entscheiden, was du wirklich brauchst.
- Warum ein Geburtsvorbereitungskurs Sicherheit gibt und Sicherheit dich entspannen laesst
- Ab wann der beste Zeitpunkt fuer deine Vorbereitung ist
- Was im Hebammen geleiteten Kurs gelehrt wird und was oft fehlt
- Was die mentale Geburtsvorbereitung anders macht
- Ob du beide Kurse brauchst und wie du entscheidest
Inhalt
Ist ein Geburtsvorbereitungskurs notwendig?
Der Hebammen geleitete Geburtsvorbereitungskurs
Was mir im Hebammenkurs gefehlt hat
Ist ein Geburtsvorbereitungskurs notwendig?
Wenn du das erste Mal schwanger bist, weisst du wahrscheinlich noch nicht so genau, was auf dich zukommt. In deinem Kopf sind viele Fragen und meistens auch ein paar Unsicherheiten. Genau hier liegt der Wert eines Geburtsvorbereitungskurses. Er gibt dir Sicherheit.
Und Sicherheit ist unter der Geburt entscheidend. Denn entspannen koennen wir am besten, wenn wir uns sicher fuehlen. Unser Gehirn mag Sicherheit, erst dann schaltet es in die Entspannung. Manche sagen, ich denke einfach positiv, der Koerper schafft das schon. Der Koerper ist tatsaechlich dafuer gemacht und hat viele koerpereigene Tricks. Das Problem bleibt das Gehirn. Wenn es nicht die Sicherheit empfindet, die wir brauchen, koennen wir nicht gut entspannen.
Ein Geburtsvorbereitungskurs, egal ob bei deiner Hebamme oder als mentaler Kurs, gibt dir genau diese Sicherheit. Die Sicherheit zu wissen, was da auf dich zukommt. Deshalb lautet meine Antwort auf die Frage, ob ein Geburtsvorbereitungskurs notwendig ist, ein klares Ja.
Ab wann solltest du anfangen?
Ich werde oft gefragt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Manche sind ganz frisch schwanger in der sechsten Woche, andere in der 18. Woche und die Hebamme hat den Kurs erst fuer die 34. Woche geplant. Meine Antwort ist immer: so frueh wie moeglich.
Hebammen geleitete Kurse finden naemlich oft erst zum Ende der Schwangerschaft statt. Entweder als Crashkurs an einem Wochenende ab der 34. Woche oder woechentlich ueber sechs Termine ab der 25. oder 26. Woche. Wenn du dann merkst, dass dir konkrete Werkzeuge fehlen, ist es schon relativ spaet.
Je laenger du Zeit hast, dich praktisch auf so einen grossen Tag vorzubereiten, desto besser. Stell dir eine grosse sportliche Pruefung vor. Je laenger du ueben kannst, desto sicherer wirst du. Bei der Geburt ist es genauso. Und trotzdem ist es nie zu spaet. Wenn du diese Folge in der 36. Woche hoerst, kannst du immer noch etwas tun. Jede einzelne Uebung veraendert etwas.
Der Hebammen geleitete Geburtsvorbereitungskurs
Der grosse Vorteil: Der Hebammenkurs wird von der Krankenkasse uebernommen und er vermittelt dir wichtiges Fachwissen. Du erfaehrst, wie der Geburtsprozess medizinisch ablaeuft, wie sich das Baby dreht, was ein Sternengucker ist und was bei einer Beckenendlage passieren kann.
In meinem eigenen Kurs ging es vor allem um das Organisatorische. Was kommt in die Kliniktasche, wie funktioniert die Vaterschaftsanerkennung, wie geht es mit der Geburtsurkunde weiter. Dazu wurde gezeigt, wie man bei einer Wehe toenen kann, es wurde ueber das Wickeln gesprochen und die Stillposition kurz durchgegangen.
Es ist also eine sehr wertvolle Informationsveranstaltung. Du bekommst eine Vorstellung davon, wie eine Geburt ablaeuft, vor allem im Krankenhaus, weil dort die meisten Frauen ihre Kinder bekommen. Das ist wichtig und richtig. Eine kleine Einschraenkung: Das gilt nicht fuer alle Kurse, es haengt sehr von deiner Hebamme ab. Manche haben sich in mentaler Geburtsvorbereitung fortgebildet und bringen das mit ein.

Was mir im Hebammenkurs gefehlt hat
Lange Rede, kurzer Sinn: Mir haben konkrete Techniken gefehlt. Es war ein Kurs nach dem Motto, das passiert bei der Geburt, das sind die richtigen Unterlagen, das gehoert in die Geburtstasche und so funktioniert das Schmerzmanagement im Krankenhaus. Aber was ich selbst tun kann, um eine Geburt zu unterstuetzen oder Komplikationen vorzubeugen, kam kaum vor.
Beim Thema Sternengucker oder Beckenendlage wurde erklaert, dass dann ein Kaiserschnitt noetig sein kann. Aber nicht, was man vorbeugend tun koennte. Es ging viel um das, was passieren kann, und wenig darum, was Geburt eigentlich braucht, um von alleine zu funktionieren.
Dazu kommt: Bei vielen Frauen entsteht in solchen Kursen eher Angst. Es wird natuerlich nicht mit Absicht Angst gemacht, eine realistische Vorbereitung ist mir sehr wichtig. Aber wenn am Ende der Satz steht, da kann man eh nichts machen, das tut halt weh, Gott sei Dank gibt es die PDA, dann ist das fuer mich kein guter Geburtsvorbereitungskurs. Diese innere Bestaerkung, der Aufbau von Selbstwirksamkeit, das findet in der Hebammenausbildung so nicht statt.
Die mentale Geburtsvorbereitung im Vergleich
In der mentalen Geburtsvorbereitung geht es um etwas ganz anderes. Hier lernst du, wie Geburtsschmerz ueberhaupt entsteht, was eine natuerliche Geburt braucht und vor allem, was du selbst tun kannst. Du bekommst ein Buffet an Moeglichkeiten und entwickelst deinen eigenen Weg.
In meinem Hebammenkurs hatte ich nicht das Gefuehl, dass ich ueberhaupt Moeglichkeiten habe. Es war eher: Das ist so, das musst du machen, irgendwer sagt dir schon, was zu tun ist. In der mentalen Vorbereitung ist es umgekehrt. Du erfaehrst, welche Moeglichkeiten du bei deiner Geburt hast, du siehst positive Geburtsberichte und bekommst ein viel bunteres, schoeneres Bild von Geburt.
Hebammen sind medizinische Fachkraefte. Sie lernen, Schwierigkeiten zu erkennen, um angemessen handeln zu koennen, und tragen Verantwortung fuer das Leben von Mama und Baby. Dadurch haben sie das Pathologische im Kopf. In der mentalen Vorbereitung liegt der Fokus auf der Frage: Was braucht Geburt, um von ganz alleine zu funktionieren? Wichtig ist mir dabei: Ich lehne keine Interventionen pauschal ab. Meine Empfehlung ist immer, dich zu informieren, auf dein Gefuehl zu hoeren und dann selbst zu entscheiden.

Brauchst du beide Kurse?
Das darfst du entscheiden. Ich wuerde niemals sagen, dass man den Hebammenkurs auf keinen Fall braucht. Die Hebammen haben dieses medizinische Wissen und der Kurs wird von der Krankenkasse uebernommen. Ein schoener Nebeneffekt: Du lernst vor Ort andere Frauen kennen, die ungefaehr in der gleichen Woche schwanger sind, mit denen du spaeter vielleicht die Babyzeit verbringst.
Ich kann nur fuer mich sprechen. Ehrlich gesagt haette ich meinen Hebammenkurs so nicht gebraucht. Die mentale Vorbereitung hat mir sehr viel mehr gebracht. Beim zweiten Kind habe ich keinen Hebammen geleiteten Kurs mehr gemacht und der mentale Kurs hat mir voellig gereicht.
Wenn du nur einen Kurs machen moechtest, wuerde ich auf jeden Fall den mentalen waehlen. Wichtig sind ausserdem das Thema Stillen und die Beduerfnisse deines Babys, gerade wenn du vorher noch nie mit einem Baby zu tun hattest. Denn die Geburt wirkt sich auch auf das Wochenbett und das Schlafverhalten deines Babys aus. Genau deshalb betrachte ich die ganze Zeit von schwanger bis Mama als Einheit.
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Fazit: Geburtsvorbereitungskurs notwendig, aber bewusst gewaehlt
Ein Geburtsvorbereitungskurs ist notwendig, weil er dir Sicherheit gibt, und Sicherheit laesst dich unter der Geburt entspannen. Aber nicht jeder Kurs bringt dir das Gleiche. Der Hebammenkurs liefert dir Fachwissen und Orientierung, die mentale Vorbereitung gibt dir Werkzeuge und Selbstwirksamkeit.
Die wichtigsten Punkte aus dieser Folge:
- Ein Geburtsvorbereitungskurs gibt Sicherheit und Sicherheit ist der Schluessel zur Entspannung
- Starte so frueh wie moeglich, es ist aber auch nie zu spaet
- Der Hebammenkurs vermittelt Fachwissen und Organisatorisches
- Die mentale Vorbereitung zeigt dir, was du selbst tun kannst
- Wenn du nur einen Kurs machst, waehle den mentalen, ideal sind beide zusammen
Du darfst fuer dich entscheiden, was dir gut tut und Sicherheit gibt. Lern auf jeden Fall Techniken, mit denen du selbst etwas tun kannst, damit du gestaerkt in deine Geburt gehst.
FAQ zum Geburtsvorbereitungskurs
Ist ein Geburtsvorbereitungskurs notwendig, wenn ich schon ein Kind habe?
Jede Geburt ist neu, auch beim zweiten oder dritten Kind. Wenn deine erste Geburt belastend war, lohnt sich vor allem ein mentaler Kurs, in dem du alte Bilder aufloest und neue Sicherheit aufbaust. Beim zweiten Kind habe ich selbst nur noch den mentalen Kurs gemacht.
Wird der Geburtsvorbereitungskurs von der Krankenkasse uebernommen?
Der Hebammen geleitete Kurs wird in der Regel von der Krankenkasse uebernommen. Bei mentalen Kursen ist es nicht garantiert. Manche Frauen reichen ihn ein und haben Glueck, andere nicht. Am besten klaerst du das vorher mit deiner Krankenkasse ab.
Ab welcher Woche sollte ich den Geburtsvorbereitungskurs machen?
Hebammen geleitete Kurse starten oft ab der 25. bis 34. Woche. Mit der mentalen Vorbereitung darfst du viel frueher beginnen, am besten so frueh wie moeglich. Je mehr Zeit du zum Ueben hast, desto sicherer fuehlst du dich.
Reicht der Hebammenkurs allein aus?
Fuer reines Fachwissen ja. Wenn du eine bewusste, entspannte Geburt anstrebst, fehlen im Standardkurs aus Zeitgruenden oft die Strategien, die Atmung und der Umgang mit Schmerzen. Genau diese Luecke fuellt die mentale Geburtsvorbereitung.
Hilft mentale Geburtsvorbereitung auch, wenn es Komplikationen gibt?
Ja, sehr sogar. Gerade wenn eine Geburt nicht wie geplant verlaeuft, hilft dir die mentale Vorbereitung, bei dir zu bleiben, die Techniken anzuwenden und selbstwirksam zu bleiben. Viele Frauen berichten, dass selbst das Klinikpersonal beeindruckt war, wie ruhig sie geblieben sind.



