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Natuerliches Saugbeduerfnis: Warum es das so nicht gibt und was wirklich dahintersteckt

Was du in diesem Artikel lernst

In einer fruehen Folge habe ich gesagt, dass es das natuerliche Saugbeduerfnis nicht gibt, und wurde dabei oft missverstanden. Manche dachten, ich meine, dass Babys gar nicht saugen wollen. Das ist nicht so. In dieser Folge gehe ich deshalb genauer darauf ein, was ein Beduerfnis ueberhaupt ist und warum Saugen kein Beduerfnis, sondern ein Reflex ist.

Du erfaehrst, warum Babys saugen, was wirklich hinter diesem Saugen steckt, warum dein Kind keinen Schnuller braucht und warum es ein grosser Entwicklungsschritt ist, wenn dein Baby sich selbst reguliert.

  • Was der Unterschied zwischen einem Reflex und einem Beduerfnis ist
  • Warum Babys ueberhaupt saugen, schon im Mutterleib
  • Wieso Saugen beruhigend wirkt
  • Warum Daumen und Brust natuerlicher sind als ein Schnuller
  • Wann du genauer hinschauen darfst

Inhalt

Was ist ueberhaupt ein Beduerfnis?

Saugen ist ein Reflex, kein Beduerfnis

Warum Babys unreif zur Welt kommen

Warum Saugen beruhigend wirkt

Daumen statt Schnuller: ein Schritt zur Selbstwirksamkeit

Wann du genauer hinschauen darfst

Fazit

FAQ

Höre die ganze Podcastfolge

Das natuerliche Saugbeduerfnis gibt es nicht

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Was ist ueberhaupt ein Beduerfnis?

Bevor wir ueber das natuerliche Saugbeduerfnis sprechen, lohnt sich ein Blick auf den Begriff Beduerfnis. Beduerfnisse, gerade Grundbeduerfnisse, sind psychische oder physische Anforderungen, die eine Person befriedigen muss, um ihr Wohlbefinden und Ueberleben zu sichern.

Wenn wir uns nun das Saugen anschauen: Dein Kind saugt, um sich ein Beduerfnis zu erfuellen. Das allererste ist die Nahrung. Beim Saugen bekommt dein Kind Energie, es stillt seinen Hunger. Saugen ist also nicht das Beduerfnis selbst, sondern der Weg, ein Beduerfnis zu erfuellen.

Das ist ein wichtiger Unterschied, der in der ganzen Diskussion oft untergeht. Hunger ist ein Beduerfnis. Entspannung ist ein Beduerfnis. Saugen ist die Handlung, mit der dein Kind sich diese Beduerfnisse erfuellt.

Saugen ist ein Reflex, kein Beduerfnis

Dein Kind saugt schon im Mutterleib am Daumen, und auch das ist ein Reflex. Dieser Reflex wird ausgeloest, wenn die Oberlippe oder der Mund beruehrt wird. Wenn du einem Neugeborenen einen Schnuller in den Mund steckst, kann es gar nicht anders als saugen, weil genau die Punkte getriggert werden, die den Reflex ausloesen.

Die ersten Monate, man sagt etwa die ersten vier Monate, laufen fast vollstaendig ueber Reflexe ab. Dein Kind will also nicht bewusst saugen, sondern der Reflex wird durch innere oder aeussere Reize ausgeloest.

Erst nach und nach wird daraus eine bewusste Handlung. Irgendwann spuert dein Kind ein Hungergefuehl und zeigt dir ganz bewusst, dass es Hunger hat, und geht bewusst zur Brust. Aber am Anfang ist es ein Reflex. Deshalb ist Saugen keine Grundlage fuer ein eigenes natuerliches Saugbeduerfnis.

Warum Babys unreif zur Welt kommen

Menschenkinder mussten im Laufe der Evolution immer frueher geboren werden. Durch den aufrechten Gang wurde unser Becken schmaler, und durch das Denkgehirn wurden die Koepfe groesser. Wuerden Kinder so reif geboren wie viele andere Tierkinder, also faehig zu bewussten Handlungen, waeren sie zu gross fuer die Geburt.

Deshalb kommen unsere Kinder als physiologische Fruehgeburten zur Welt und sind unreif. Im Gehirn ist es wie eine Landschaft, in der die Wege noch nicht miteinander verbunden sind. Erst Trampelpfade, dann Fusswege, dann Strassen und Autobahnen entstehen mit der Zeit. Die Reflexe sorgen dafuer, dass dein Kind diese Wege ueberhaupt gehen kann.

Ein Beispiel: Wenn ein junges Kind unter einem Spielebogen liegt, schlaegt es nicht bewusst gegen die Dinge, sondern die Reflexe steuern die Bewegungen. Bei meinem zweiten Kind habe ich auf den Spielebogen verzichtet, weil er oft eher ueberfordert. Stell dir vor, du liegst und kannst dich kaum wegdrehen, und jemand haengt dir etwas ueber das Gesicht. Auch hier lohnt sich der Gedanke, ob das wirklich sinnvoll ist.

Schnuller und Mulltuch als Stillleben, Sinnbild fuer das Thema Saugen und Schnuller

Warum Saugen beruhigend wirkt

Saugen kann auch das Beduerfnis nach Entspannung erfuellen. Im Mund gibt es einen Punkt, der durch das Saugen getriggert wird und der wiederum den Parasympathikus aktiviert, den Teil unseres Nervensystems, der fuer Entspannung sorgt. Spannend dabei: Dieser Punkt wird ohne Schnuller sogar viel besser getriggert.

Dazu kommt: Der Saug-Reflex wird mit der Zeit mit dem Stillen verknuepft. Bei Mama auf dem Arm eingekuschelt, den Herzschlag hoeren, die Koerperwaerme spueren, dann kommt die warme Muttermilch mit ihren beruhigenden, einschlaefernden Hormonen. Das ist ein richtiges Wohlgefuehl.

Im Gehirn deines Kindes wird das verbunden: Saugen bei Mama auf dem Arm ist schoen, Saugen sorgt dafuer, dass ich mich wohlfuehle. So wird aus dem urspruenglichen Reflex eine Moeglichkeit, sich zu regulieren und zu entspannen.

Daumen statt Schnuller: ein Schritt zur Selbstwirksamkeit

Wenn ein Kind keinen Schnuller hat, faengt es vielleicht an, am Daumen zu nuckeln. Dann heisst es oft, dann doch lieber den Schnuller, den koenne man spaeter wegnehmen, den Daumen nicht. Allein diese Aussage finde ich bemerkenswert: Wir denken, wir muessten unserem Kind etwas geben, das wir ihm dann wieder wegnehmen koennen.

Dabei ist der Daumen von Geburt an dabei. Dein Kind nutzt ihn, um sich selbst zu regulieren. Und das ist ein riesiger, positiver Schritt. Babys koennen sich anfangs nicht selbst regulieren, sie brauchen unsere Koregulation. Wenn dein Kind merkt, ich habe etwas dabei, das mir hilft, dann erlebt es Selbstwirksamkeit. Das ist enorm wichtig fuer die Entwicklung.

An der Brust zu saugen ist natuerlich. Flaschen und Schnuller sind erst einmal nicht natuerlich. Und falls jetzt der Gedanke kommt, manche Frauen koennen doch nicht stillen: Das stimmt nur fuer etwa zwei Prozent. Der grosse Rest wurde leider schlecht beraten. Genau deshalb moechte ich mit diesem Podcast dazu beitragen, dass mehr Frauen das Stillen gelingt, denn Stillen ist eine erlernte Handlung.

Ruhige Mutter allein in einem nachdenklichen Moment als Symbol fuer beduerfnisorientierte Babyzeit

Wann du genauer hinschauen darfst

Immer wieder im Laufe der Entwicklung nehmen Kinder ihre Finger in den Mund, zum Erforschen oder weil die Zaehne kommen. Mein Sohn nimmt gerade mit etwa neun Monaten die ganze Hand in den Mund, weil die Backenzaehne kommen. Das gehoert dazu und ist kein Problem. Auch einen Beissring wuerde ich eher weglassen, weil er dazu fuehren kann, dass Kinder in die Brust beissen.

Solche Phasen gehen vorbei. Wenn es nur zwischendurch passiert und nicht den ganzen Tag, ist alles in Ordnung. Genauer hinschauen darfst du, wenn ein Verhalten wirklich exzessiv wird, also gefuehlt rund um die Uhr, und ueber einen Schub von ein, zwei Wochen hinaus nicht aufhoert.

Dann lohnt sich die Frage: Was ist das Beduerfnis dahinter? Was ist hier unerfuellt? Gibt es einen Ausloeser? In den allermeisten Faellen reguliert sich das von selbst, wenn die Beduerfnisse deines Kindes liebevoll und feinfuehlig erfuellt werden und Weinen begleitet werden darf. Denn Weinen gehoert dazu und ist gut.

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Fazit: Das natuerliche Saugbeduerfnis gibt es so nicht

Das natuerliche Saugbeduerfnis gibt es in dieser Form nicht. Beduerfnisse sind zum Beispiel Hunger oder Entspannung. Saugen ist die Handlung, mit der sich dein Kind diese Beduerfnisse erfuellt, und am Anfang vor allem ein Reflex, der nach und nach zu einer bewussten Handlung wird.

Die wichtigsten Punkte aus dieser Folge:

  • Saugen ist ein Reflex und ein Weg, ein Beduerfnis zu erfuellen, kein eigenes Beduerfnis
  • Babys kommen unreif zur Welt, ihre ersten Monate laufen ueber Reflexe
  • Saugen wirkt beruhigend, ohne Schnuller sogar besser
  • Der Daumen ist von Geburt an dabei und foerdert die Selbstwirksamkeit
  • Phasen mit Fingern im Mund gehen vorbei, genauer hinschauen nur bei exzessivem Verhalten

Wenn dein Kind so ein angeblich hohes Saugbeduerfnis haette und unbedingt einen Schnuller braeuchte, warum kommt es dann ohne Schnuller zur Welt? Stattdessen den Daumen und die Brust, die immer dabei sind. Das ist das viel Natuerlichere. Was du mit diesem Wissen machst, ist deine Entscheidung.

FAQ zum Saugen und Saugbeduerfnis

Gibt es ein natuerliches Saugbeduerfnis bei Babys?

Nicht in der ueblichen Vorstellung. Saugen ist zunaechst ein Reflex und ein Weg, Beduerfnisse wie Hunger oder Entspannung zu erfuellen. Es ist kein eigenstaendiges Grundbeduerfnis, das einen Schnuller noetig macht.

Braucht mein Baby unbedingt einen Schnuller?

Nein. Der beruhigende Punkt im Mund wird ohne Schnuller sogar besser getriggert. Der Daumen ist von Geburt an dabei und hilft deinem Kind, sich selbst zu regulieren. An der Brust zu saugen ist natuerlich, Schnuller und Flasche sind es nicht.

Ist Daumennuckeln schaedlich?

Es ist ein grosser, positiver Entwicklungsschritt. Dein Kind erlebt Selbstwirksamkeit, weil es merkt, dass es sich selbst regulieren kann. Solange es nur zwischendurch passiert und nicht rund um die Uhr, ist es kein Problem und geht von selbst vorbei.

Wann sollte ich genauer hinschauen?

Wenn das Verhalten wirklich exzessiv wird, gefuehlt rund um die Uhr, und ueber einen Schub von ein, zwei Wochen hinaus nicht aufhoert. Dann lohnt sich die Frage, welches Beduerfnis dahinter unerfuellt ist oder ob es einen Ausloeser gibt.

Warum kommen Babys ueberhaupt mit Saugreflex zur Welt?

Weil Menschenkinder als physiologische Fruehgeburten und unreif geboren werden. Reflexe wie der Saugreflex sorgen dafuer, dass dein Kind ueberlebenswichtige Handlungen wie das Trinken ausfuehren kann, bevor es sie bewusst steuern lernt.

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