Meine zweite Geburt mit mentaler Geburtsvorbereitung: Wie aus einem Notfall eine starke Erfahrung wurde
Was du in diesem Artikel lernst
Meine zweite Geburt war geplant als sanfte Wassergeburt im Geburtshaus. Sie wurde ein Notkaiserschnitt, weil Noel sich unter der Geburt in Querlage drehte. Trotzdem ist sie für mich die schönere meiner beiden Geburten. Wie das zusammenpasst, erzähle ich dir hier gemeinsam mit meiner Doula Sarah, die diese Geburt mitbegleitet hat.
Diese Folge ist ein ehrlicher Geburtsbericht mit allen Wendungen. Du erfährst, wie mentale Geburtsvorbereitung im Detail wirkt, was eine Doula tut, warum Hypnose auch im OP funktioniert und welche unbewusste Angst aus meiner Familiengeschichte am Ende eine Rolle gespielt hat. Wenn du dir wünschst, deine Geburt aktiv mitzugestalten, egal wie sie verläuft, findest du hier konkrete Werkzeuge und eine Geschichte, die Mut macht.
- Wie ich mich mit Hypnose, Meditation und Spinning Babies vorbereitet habe
- Was eine Doula wirklich tut und warum sie keine Hebamme ersetzt
- Wie ich die Wehen ohne Schmerzempfinden erlebt habe
- Was passiert ist, als Noel sich in Querlage drehte
- Welche unbewusste Angst tief in meiner Familiengeschichte mitgespielt hat
Inhalt
Wie ich mich anders vorbereitet habe
Der Geburtsbeginn: Wehen ohne Schmerzkarussell
Querlage unter der Geburt: Wenn der Körper Signale gibt
Hypnose im OP und Verbindung zum Baby
Wie ich mich anders vorbereitet habe
Bei meiner ersten Geburt hatte ich keine mentale Vorbereitung. Bei der zweiten Geburt habe ich alles anders gemacht. Ich habe meine eigene Birth-and-Balance-Kursleiter-Ausbildung absolviert und bin täglich in Meditation und Hypnose gegangen. Jeden Morgen, jeden Abend habe ich kurze Hypnoseaudios gehört, habe visualisiert, wie sich der Muttermund öffnet, habe das Geburtsprogramm trainiert, das in unserem Stammhirn liegt.
Zusätzlich habe ich mir die Frage gestellt: Wie möchte ich begleitet werden? Mein Mann war bei der ersten Geburt etwas überfordert. Beim zweiten Mal wollte ich Sicherheit, dass auch er gut begleitet ist. Ich wollte unsere Tochter gut versorgt wissen und nicht das Gefühl haben, jemand anders trägt zu viel Last. So bin ich auf die Idee gekommen, eine Doula zu suchen, und habe Sarah gefunden, eine Soulbirth-Doula, die selbst Hypnobirthing-Kurse gibt.
Sarah hat mir zusätzlich Spinning Babies näher gebracht. Das ist eine Methode, um den Körper auf die Geburt vorzubereiten, indem du gezielt Platz für dein Baby schaffst und Balance in dein Becken bringst. Den Kurs habe ich noch gemacht und die Übungen in meine Routine integriert. Mein Körper war vorbereitet, mein Kopf war vorbereitet und ich hatte zwei vertraute Personen an meiner Seite.
Was eine Doula wirklich tut
Der Begriff Doula kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie dienen oder betreuen. Das Konzept ist uralt. Eine Doula ist eine Frau, die der Gebärenden zur Seite steht, eine Art Schwester oder Freundin, die den Raum hält. Sie geht auf die Bedürfnisse der Gebärenden, des Paares und der Familie ein. Ganz wichtig: Eine Doula ersetzt keine Hebamme. Sie arbeitet Hand in Hand mit ihr und schätzt ihre Arbeit zutiefst.
In meiner Geburt hat Sarah genau das gemacht. Sie hat mir den Strohhalm hingehalten, damit ich trinken konnte, ohne aus meiner Trance herauszukommen. Sie hat mir Kissen positioniert, mich massiert, mir Optionen für Körperhaltungen angeboten. Sie hat geschaut, was mein Körper braucht, ohne mich zu fragen. Eine kleine Frage wie „Möchtest du jetzt etwas trinken?“ hätte mich aus meiner inneren Welt herausgerissen. Diese kleinen Dinge zu antizipieren, ist Doula-Arbeit.
Was Doulas auch tun: Sie halten Raum für andere. Als ich später in den Krankenwagen gestiegen bin, blieb Sarah bei meinem Mann. Sie hat ihm geholfen, organisatorisch zu reagieren, mit der Situation umzugehen. Für Partner ist eine Notsituation oft schwerer als für die Gebärende, weil sie ohnmächtig zuschauen müssen. Die Doula trägt auch sie durch.

Der Geburtsbeginn: Wehen ohne Schmerzkarussell
Diesmal ging die Geburt mit dem Öffnen der Fruchtblase los, was statistisch nur bei etwa 20 Prozent der Geburten der Fall ist. Bei meiner ersten Geburt war das nicht so. Diesmal war ich erleichtert, dass mein Körper mir das Zeichen so deutlich gab. Ich hatte vorher die Sorge gehabt, durch all die positive Vorbereitung würde ich den Beginn nicht spüren.
Es war abends gegen 22 Uhr. Ich habe Sarah angerufen, auch wenn sie offiziell noch nicht in Rufbereitschaft war. Sie war sofort entspannt am Telefon. Trotz aller Vorbereitung war ich nervös. Das wollte ich hier auch sagen: Auch wenn du Kursleiterin für mentale Geburtsvorbereitung bist, ist Aufregung total okay. Ich habe mich ins Bett gelegt, meine Hypnoseaudios gehört und intensiv visualisiert, wie sich der Muttermund öffnet. Ich habe meine Atemtechniken angewendet.
Die Wehen kamen, ich habe sie gespürt. Aber diesmal nicht als Schmerz. Ein kräftiges Drücken, ja. Eine starke Empfindung, ja. Aber nicht dieses ausgeliefert-sein, dieses Schmerzkarussell, in dem ich bei der ersten Geburt gefangen war. Diesmal wusste ich, was ich tun kann. Es ging zügig. Gegen 4 Uhr morgens waren wir im Geburtshaus. Die Autofahrt, die mich vorher so beängstigt hat, weil ich mich nicht bewegen kann, war diesmal nicht da. Ich war in Hypnose, habe nichts mitbekommen von der 45-Minuten-Fahrt.
Die ersten Stunden im Geburtshaus
Wir kamen gleichzeitig mit Sarah an. In der ersten Stunde war ich sehr bei mir, sehr tief in meiner Atmung und meiner Visualisierung. Sarah hat mir den Gymnastikball gegeben, über den ich mich legen konnte. Sie hat mich massiert. Ich habe Positionen gewechselt: Vierfüßler, sitzen, stehen. Ich habe auf meinen Körper gehört. Trotz der Tiefe konnte ich klar kommunizieren, was ich brauche. Das ist auch das Schöne an dieser Form der Geburtsvorbereitung: Du bist tief verbunden und gleichzeitig handlungsfähig.
Querlage unter der Geburt: Wenn der Körper Signale gibt
Irgendwann kam ein Moment, in dem etwas anders war. Die Wellen wurden weniger, ich kam nicht mehr richtig in meine Ruhe. Ich habe gedacht: Das ist jetzt wieder mein Kopf, ich muss zurück in die Entspannung finden. Ich bin in die Wanne gegangen, da war es kurzzeitig besser. Aber etwas stimmte nicht.
Ich hatte das Gefühl, Tritte im Geburtskanal zu spüren. Das war eigentlich nicht möglich. Noel lag mit dem Kopf tief im Becken, das hatte die Hebamme vorher und bei der Ankunft getastet. Ich habe in der Badewanne selbst getastet und gespürt, dass dort etwas ist, was nicht dort sein sollte. In dem Moment kam meine Hebamme rein, ich habe schon ein bisschen panischer gerufen, sie solle gucken. Sie hat sich bestätigt: Noel hatte sich in Querlage gedreht. Das passiert statistisch so selten unter der Geburt, dass es kaum darstellbar ist.
Ich war traurig, ich habe geweint. Diese Visualisierung der Traumwassergeburt, die ich so klar in mir hatte, war in dem Moment vorbei. Sarah hat es so beschrieben: Ich habe es rausgelassen und mich dann wieder gefangen. Ich habe meinen Bauch gestreichelt, mit Noel gesprochen: „Alles ist okay, Mama ist hier, wir schaffen das.“ Ich war traurig und gleichzeitig handlungsfähig. Genau das macht mentale Vorbereitung möglich. Du darfst alles fühlen und gleichzeitig in deiner Kraft bleiben.
Stillstand visualisieren statt Wehen anregen
In Querlage darf möglichst nichts mehr passieren, weil die Gebärmutter sonst reißen könnte. Ich habe deshalb umvisualisiert: Nicht mehr „die Wehen kommen, der Muttermund öffnet sich“, sondern „Stopp, Stillstand, Pause“. Mein Körper hat das umgesetzt, die Wehen sind weniger geworden. Das war ein bewusster Akt der Steuerung, der mir gezeigt hat, wie tief mein Unterbewusstsein mit meinem Körper kommuniziert.

Hypnose im OP und Verbindung zum Baby
Im Krankenhaus war es hektisch. Es war wirklich ein Notfall, viele fremde Menschen, ich musste einen Coronatest machen, die Maske aufbehalten. Meine Hebamme ist mit mir gekommen, Sarah blieb mit Timo. Mein Anker war zu wissen, dass mein Mann nicht allein und verloren ist.
Im OP haben die Ärzte mir erlaubt, mein Handy zu nehmen und meine Hypnose zu hören. Ich konnte trotzdem mitbekommen, was passiert. In Hypnose bist du ansprechbar. Ich habe die ganze Zeit mit Noel gesprochen, ich habe ihm erklärt, was passieren wird: dass es kalt wird, dass es hell wird, dass fremde Hände ihn anfassen, dass er kurz weggenommen und untersucht wird, bevor er zurückkommt. Ich glaube, das war total wertvoll. Er wurde nicht überrumpelt, er wurde vorbereitet.
Nach der Geburt gab es noch eine kleine Action. Sie wollten Noel zurückbringen, dann ging die Tür wieder zu. Ich habe gehört, dass es mit ihm okay ist, also war es etwas mit mir. Mir wurde klar: Ich habe eine Blutung, die sie gerade nicht stillen können. Ich bin in die Imagination gegangen, habe mir vorgestellt, wie sich die Gefäße schließen. Innerhalb kürzester Zeit waren sie geschlossen. Es gibt Studien zu Hypnose und Wundheilung. Ich hatte gerade live erlebt, was die Studien beschreiben.
Mit dem Baby sprechen, laut oder innerlich
Ich habe laut mit Noel gesprochen, was sonst nicht mein Ding ist. Es hat mir Selbstsicherheit gegeben. Die Ärzte haben mich einmal gefragt, was ich sage. Ich habe geantwortet, ich rede nur mit meinem Baby, damit es weiß, was kommt. Sie haben es wunderschön aufgenommen. Wenn dir das laute Sprechen unangenehm ist, geht es genauso gut innerlich. Dein Baby spürt deine Worte und deine Intention auf beide Arten.

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Die Angst aus meiner Ahnenlinie
Hinterher habe ich mich gefragt: Warum ist mir das passiert, trotz all der Vorbereitung? Ich habe für mich eine Antwort gefunden, im Gespräch mit Sarah und in einer späteren Podcast-Folge mit Psychologin Steffi Reimer. Es gab eine Angst, die mir nicht bewusst war.
In meiner Familiengeschichte gibt es eine Geschichte, die mir mein ganzes Leben erzählt wurde: Die Mutter meines Opas ist bei der Geburt eines Geschwisterkindes gestorben. Ich war nun selbst in der Situation, ein Geschwisterkind zu bekommen. Tief in meinem Unterbewusstsein hatte ich Angst, unter der Geburt sterben zu können. Diese Angst hat verhindert, dass ich mich voll auf die Geburtshausgeburt einlassen konnte.
Als wir ins Krankenhaus gefahren sind, war ich traurig und gleichzeitig erleichtert. Diese Erleichterung habe ich in dem Moment nicht hinterfragt. Im Nachhinein wurde mir klar: Ich war erleichtert, dass die Verantwortung jetzt bei den Ärzten lag. Mein Unterbewusstsein hatte längst entschieden, dass das Krankenhaus für mich sicherer ist. Noel hat mir die Entscheidung abgenommen, weil ich sie selbst nicht treffen konnte.
Tief schauen, nicht oberflächlich vorbereiten
Genau deshalb gehe ich in meiner Arbeit so tief auf Ängste ein. Viele Kurse machen eine Meditation zur Angstauflösung und das war es. Für manche Frauen reicht das. Für andere nicht. Wenn du Themen aus deiner Familiengeschichte mitbringst, brauchst du Zeit, um sie wirklich anzuschauen. Sarah als Soulbirth-Doula arbeitet ebenfalls mit diesen tiefen Ebenen. Wir beide sehen es in unserer Arbeit immer wieder: Die Schwangerschaft ist eine Phase, in der dein System offen ist für Transformation. Du gehst diesen Weg nicht nur für die Geburt. Du gehst ihn für dich, für dein Kind, für dein ganzes Leben.
Fazit: Eine starke Geburt ist nicht eine perfekte Geburt
Meine zweite Geburt war kein Vorzeigeprojekt für eine sanfte Wassergeburt. Sie war ein Notkaiserschnitt mit Querlage und Blutungskomplikation. Trotzdem ist sie für mich die bessere meiner beiden Geburten. Weil ich nicht hilflos war. Weil ich Werkzeuge hatte. Weil ich die Verbindung zu Noel halten konnte. Weil ich in Hypnose meine eigene Wundheilung unterstützt habe.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Mentale Geburtsvorbereitung bewahrt dich nicht vor Komplikationen, sondern davor, daran zu zerbrechen
- Eine Doula ist eine Raumhalterin, die antizipiert statt nachfragt, und hilft auch deinem Partner
- In Hypnose bist du ansprechbar und kannst Operationen mental mitsteuern
- Die Verbindung zum Baby kannst du laut oder innerlich halten, beide Arten wirken
- Unbewusste Ängste, oft aus der Familiengeschichte, können sich tief auswirken
- Schau in der Schwangerschaft tief hin, nicht nur oberflächlich
Was eine Geburt zu einer guten Geburt macht, ist nicht der äußere Verlauf. Es ist deine Selbstwirksamkeit. Dein Anker. Deine Verbindung. Das alles kannst du dir vorher aufbauen, damit es da ist, wenn du es brauchst. Egal, wie deine Geburt am Ende verläuft.
FAQ zur zweiten Geburt mit mentaler Vorbereitung
Was ist eine Doula und braucht jede Frau eine?
Eine Doula ist eine ausgebildete Geburtsbegleiterin, die den Raum hält, dich unterstützt und auch deinem Partner zur Seite steht. Sie ersetzt keine Hebamme. Du brauchst keine Doula, um eine schöne Geburt zu haben. Sie kann aber sehr wertvoll sein, gerade wenn du dich allein oder unter Druck fühlst.
Funktioniert Hypnose wirklich auch unter einem Kaiserschnitt?
Ja. In Hypnose bleibst du ansprechbar und kannst der Operation mental beistehen. Mehrere Studien belegen positive Effekte auf Wundheilung, Blutdruck und subjektives Schmerzerleben. Sprich mit deinem OP-Team vorher ab, dass du Kopfhörer behalten möchtest. Die meisten Kliniken sind dafür offen.
Wie spreche ich mit meinem Baby unter der Geburt?
Wie immer du möchtest. Laut, leise, nur in Gedanken. Du kannst ihm erklären, was passiert, du kannst ihm Mut zusprechen, du kannst es bitten, mitzuarbeiten. Wichtig ist nicht die Form, sondern dass du die Verbindung bewusst hältst. Dein Baby spürt deine innere Haltung.
Was, wenn ich tiefe Ängste habe, die ich nicht alleine auflösen kann?
Such dir Unterstützung. Eine Doula, eine ausgebildete Hypnotherapeutin, eine Psychologin, die mit Geburtsvorbereitung arbeitet. Eine einzige Sitzung kann sehr viel bewegen. Wenn deine Ängste mit Familiengeschichten zusammenhängen, lohnt es sich besonders, professionell hinzuschauen, weil diese Themen unbewusst weiterwirken.
Bin ich nicht gut genug vorbereitet, wenn meine Geburt trotzdem ein Notfall wird?
Nein. Mentale Vorbereitung kann eine Komplikation nicht verhindern. Sie kann dir aber helfen, eine Komplikation als bewältigbare Erfahrung zu erleben statt als Trauma. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Du bist nicht weniger vorbereitet, weil deine Geburt anders verläuft. Du bist anders erlebt, weil deine Vorbereitung dich trägt.


